Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses SPD-Abgeordneter Michael Roth hat genug von der Politik
SPD-Politiker Michael Roth (2022): »Wenn man heute Spitzenpolitik betreibt, muss man sich fast komplett aufgeben«
Foto: Bernd von Jutrczenka / dpaDer SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth verlässt im kommenden Jahr die Politik. Grund sei eine Entfremdung von seiner Partei und dem Politikbetrieb. »Bis zur Bundestagswahl mache ich noch. Danach bin ich raus«, sagte der 53-Jährige dem »Stern« . »Ich habe den Biss nicht mehr. Ich spüre eine innere Distanz zum Betrieb. Jetzt ist mal Schluss mit Politik.«
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Roth, seit 2021 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, sprach von einem schleichenden Entfremdungsprozess von der SPD. Er sei leidenschaftlicher Sozialdemokrat, sagte er. »Aber im letzten Jahr habe ich gemerkt, dass ich mit unseren Sitzungen immer mehr fremdele, dass mich die Gremien stören, die Stimmung darin. Wenn die Tür zum Fraktionssaal aufging, hatte ich zuletzt den Eindruck, ich steige in einen Kühlschrank.« Roth sagte weiter: »Manchmal fühlte ich mich wie ein Fremdkörper.« Zur Wahrheit gehöre, dass er öffentlich stark für seine Haltungen geworben, das Gespräch mit Kollegen aber vernachlässigt habe. »Insofern trage ich auch eine Mitverantwortung für die Entfremdung.«
»Spitzenpolitiker müssen heute jeden Tag einfach nur überleben«
Roth, der im Jahr 2022 einige Monate wegen einer mentalen Erschöpfung pausierte, sprach auch schonungslos über die Härte des politischen Betriebs. »Wenn man heute Spitzenpolitik betreibt, muss man sich fast komplett aufgeben«, so der Sozialdemokrat. »Das ist brutal. Spitzenpolitiker müssen heute jeden Tag einfach nur überleben.« Roth sagt: »Ich bin sicher: Willy Brandt würde heute kein Bundeskanzler mehr werden können.«
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth kritisierte im Gespräch die Parteispitze für einen aus seiner Sicht falschen Umgang mit dem Kanzler. »Sowohl Partei als auch Fraktion haben sich ihm faktisch untergeordnet«, sagte Roth. »Es hängt alles am Kanzler. Das ist in Zeiten, in denen man es nicht allen recht machen kann, schlicht eine Überforderung. Politik ist Teamspiel, keine One-Man-Show.«
Auch der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, mit der Roth sich monatelang vehement für Waffenlieferungen an die Ukraine starkgemacht hatte, warf er vor, dem Kanzler zu schaden. »Ich habe meine Kritik immer an der Sache orientiert. Dass sie daraus oft eine persönliche Kritik am Kanzler gemacht hat, finde ich falsch. Was ich ihr auch übel nehme: Nicht alle, die gegen den Unionsantrag zu Taurus gestimmt haben, sind Angsthasen oder Stümper. Diesen Eindruck hat sie erweckt.«