SPD Stiegler wirft Beck "Parteiverrat" vor
Berlin - Im SPD-Parteivorstand hat es Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und der "Welt" zufolge Streit um den Machtanspruch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gegeben. Fraktionsvize Ludwig Stiegler hat dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und Parteivize Kurt Beck "Parteiverrat" vorgeworfen, berichtete die "Welt" unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung. Demnach kritisierte Stiegler, dass Beck mit seinen Aussagen zu Möglichkeiten einer Großen Koalition ohne Schröder dessen Autorität beschädigt und die sozialdemokratische Verhandlungslinie durchbrochen habe. Die Aufgabe des Machtanspruchs sei höchst unsolidarisch von Beck gewesen.
Als bayerischer SPD-Landesvorsitzender habe Stiegler an einen Beschluss seines Landesverbandes erinnert, wonach es eine Große Koalition ausdrücklich nur mit Schröder als Kanzler geben dürfe, berichtete das Blatt weiter. Beck habe gelassen reagiert und versichert, dass er zu Schröder stehe und ihn als Kanzler wolle.
Auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung von einer "kurzen und scharfen Auseinandersetzung" zwischen Stiegler und Beck. Beck hatte in einem am Wochenende veröffentlichten Interview mit dem "Focus" die Möglichkeit angedeutet, die SPD könne auf Schröder als Kanzler verzichten.
Heftige Kritik hatte Stiegler vor wenigen Tagen auch an Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) geübt, als sich dieser über die Möglichkeiten einer Großen Koalition ohne Schröder geäußert hatte. Mit den Worten, Wowereit sei "gelegentlich ein Dampfplauderer. Der soll das Maul halten", hatte Stiegler seinen Parteifreund zusammengestaucht.