Spendenaffäre Kohl attackiert die SPD
Berlin - "Man versucht, aus dem Ehrenbürger Europas (...) eine beinahe kriminelle Figur zu machen", empörte sich Kohl im ZDF. Er werde auch vor dem Untersuchungsausschuss nicht die Namen seiner Spender nennen, denen er sein Ehrenwort gegeben habe. "Ich habe gesagt, ich nenne die Spender nicht und ich bleibe bei dieser Meinung. Ich habe mein Wort gegeben."
Die Boykottaufrufe aus der SPD zu Beginn seiner Sammelaktion für die Parteikasse der CDU verglich Kohl indirekt mit der Boykottierung jüdischer Geschäfte während der Zeit des Nationalsozialismus.
Kohl kritisierte auch die Entscheidung der SPD, den Verleger Erich Schumann wegen seiner Großspende an Kohl aus der Partei auszuschließen. "Ich empfinde das als einen ungeheuren Skandal", sagte Kohl. Er sei erstaunt, dass kein führender Sozialdemokrat dazu seine Stimmer erhoben habe. Schumann hatte sich mit 800.000 Mark und damit als zweitgrößter Spender an der Sammlung beteiligt, mit der Kohl finanzielle Einbußen seiner Partei durch seine Finanzpraktiken ausgleichen will.
Eine Live-Übertragung seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss lehnte der Altkanzler ab. Der Ausschussvorsitzende Volker Neumann (SPD) bedauerte Kohls Haltung. Bei einer Direkt-Übertragung hätte jeder Bürger sich sein eigenes Urteil bilden können, sagte er.