Spendenaffäre Schreiber entlastet Kohl
Hamburg - Schreiber hat in einem Interview der "Bild am Sonntag" zur CDU-Spendenaffäre erklärt, keine Gelder an Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl gezahlt zu haben. "Nein, Kohl hat von mir niemals Geld bekommen", antwortete er auf eine entsprechende Frage. Schreiber erklärte seine Bereitschaft, vor dem Untersuchungsausschuss des Bundesstages auszusagen, wenn ihm freies Geleit zugesichert werde. Auch würde er aussagen, wenn die Abgeordneten nach Toronto kommen würden. Der Ausschussvorsitzende Volker Neumann (SPD) kündigte in einem zuvor veröffentlichtem Vorabbericht der Zeitung an, Schreiber werde in Kanada befragt, sobald dieser zur Aussage bereit sei.
Sowohl der ehemalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble als auch die Ex-Schatzmeisterin der Partei, Brigitte Baumeister, haben vor dem Ausschuss im April in einander widersprechenden Versionen erklärt, 1994 von Schreiber eine 100.000-Mark-Spende entgegen genommen zu haben. Während Baumeister aussagte, sie habe einen an Schäuble adressierten Briefumschlag von Schreiber erhalten und diesen an Schäuble weitergeleitet, erklärte Schäuble, das Geld direkt von Schreiber bekommen zu haben.
In dem Interview sagte Schreiber, er habe die Spende Baumeister gegeben. Er empfinde keine Genugtuung darüber, dass Schäuble auf Grund der Affäre nicht mehr CDU-Chef sei. "Doch wenn Schäuble demnächst vor dem Ausschuss wieder lügt, dann präsentiere ich einen neuen, absolut untadeligen Zeugen, der genau aussagt, dass ich an dem Tag nicht bei Schäuble war", erklärte er. Er drohte in dem Gespräch, dass er dann verhindern werde, dass Schäuble Chef der Adenauer-Stiftung werde. Dies sei seine letzte Warnung an Schäuble.
Im internationalen Haftbefehl gegen Schreiber wird dem deutsch-kanadischen Kaufmann vorgeworfen, Steuerschulden in Höhe von 25 Millionen Mark angehäuft zu haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht die Lieferung von Panzern des Thyssen-Konzerns an Saudi-Arabien im Jahr 1991. Das Geschäft soll von Schreiber vermittelt worden sein. Der Untersuchungsausschuss prüft, ob dabei auch Politiker bestochen wurden. Da mit einer schnellen Auslieferung Schreibers nicht zu rechnen ist, wird in Justizkreisen eine Abtrennung des Schreiber-Falles erwartet.