Spendenausschuss: "Schreiber soll schäumen" - DER SPIEGEL
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Spendenausschuss "Schreiber soll schäumen"

Giorgio Pelossi war Geschäftsfreund des Waffenhändlers Schreiber. Heute sind sie Feinde, und Pelossi sagte vor dem Spendenausschuss aus. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Obmann der SPD, Frank Hofmann über Pelossi und die Strategie der CDU.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Was hat Ihnen die Vernehmung Pelossis gebracht?

Hofmann: Ehrlich gesagt, mir ging es darum: Schreiber soll schäumen. Ich bin sicher, dass er da drüben Blut und Wasser geschwitzt hat und auch in irgendeiner Weise auf diesen Tag reagieren wird. Vielleicht erfährt man von ihm nun Neues.

SPIEGEL ONLINE: Helmut Kohl ist am Mittwoch in den Schoß seiner CDU-Familie zurückgekehrt. Ist das die Rückkehr zur Normalität?

Hofmann: Das ist eine CDU-interne Geschichte. Offensichtlich hat man dort die symbolische Harmonie dringend nötig. Das ändert aber nichts daran, dass immer noch viele Fragen offen sind, die den ehemaligen Ehrenvorsitzenden der CDU betreffen, und dieser mit dem Verschweigen der Spendernamen den Verfassungsbruch fortsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Mangelnde Verfassungstreue hat Kohl am Mittwoch gerade der SPD vorgeworfen, weil diese die Deutsche Einheit aufgegeben hätten.

Hofmann: Die deutsche Einheit hat viele Väter. Helmut Kohl ist einer. Er war Bundeskanzler während dieser Zeit. Aber er ist auch der Kanzler der schwarzen Kassen.

SPIEGEL ONLINE: Die CDU geht nun in die Offensive. Wegen der Verkäufe von SPD-Eigentum, die angeblich nicht aufgeführt wurden, soll Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zurücktreten und Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier im Ausschuss vernommen werden.

Hofmann: Das ist schon ziemlich abenteuerlich. Die Bundestagsverwaltung prüft unsere Rechenschaftsberichte wie andere auch. Das ist eine Verwaltung, die unabhängig von ihrem Chef, in diesem Fall Thierse, arbeitet. Er setzt nur am Ende seine Unterschrift darunter. Die Forderung der CDU, Thierse solle gehen, ist ungeheuerlich.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Frau Wettig-Danielmeier vor dem Ausschuss erscheinen muss, könnte es der CDU gelingen, den Fokus von sich auf die Parteien an sich zu lenken.

Hofmann: Die Vorwürfe sind ja noch sehr frisch. Sie werden intensiv geprüft. Aber ich gehe davon aus, dass da nichts dran ist. Die CDU tut gut daran, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Da gibt es genug zu tun.

Das Interview führte Markus Deggerich