Starkbieranstich: "Ossi-Biene" Merkel in Reizwäsche - DER SPIEGEL
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Starkbieranstich "Ossi-Biene" Merkel in Reizwäsche

Querbeet wurden die Politiker beim Starkbieranstich in München "derbleckt". Stargast auf dem Nockherberg war dieses Jahr Angela Merkel. Für ihren bayerischen Gesinnungsgenossen Stoiber zog sich die Generalsekretärin sogar Reizwäsche an. Das mutmaßte zumindest Bußprediger Barnabas.
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München - Bruder Barnabas alias Kabarettist Gerd Fischer nahm zu Beginn der Starkbierzeit die Politiker mit deftigen Sprüchen aufs Korn.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, CDU-Generalsekretärin Angela Merkel, Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle gehörten zu den geladenen Gästen beim 50. Starkbieranstich nach dem Zweiten Weltkrieg. Das süffige dunkle Starkbier wird bis Ostern ausgeschenkt und soll die Fastenzeit erleichtern.

Bei dem traditionellen "Derblecken" zog Barnabas, dem traditionell der Journalist Hannes Burger die Spötteleien in den Mund legte, über Politiker aller Parteien her: "Beim Kohl hat ja wenigstens die Birne geglüht, aber beim Schröder glüht nur die Zigarre." Und weiter: "Das Wirtschaftswunder ist auch bei Ludwig Erhard nicht von der Zigarre allein gekommen."

Mit Blick auf die Affäre um die Millionenverluste der bayerischen Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft (LWS) sagte der Mönch zu Stoiber (CSU): "Aber Sie sind nicht schuld, Herr Ministerpräsident! Sie sind zwar für alles zuständig, aber für nichts verantwortlich - wenn was in Flammen aufgeht." Stoiber hatte seinerzeit den LWS-Einstieg ins riskante Bauträgergeschäft nachdrücklich vorangetrieben. Mit den Vorgängen befasst sich ein Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags.

Mit Blick auf Stoibers Äußerungen beim Politischen Aschermittwoch, die CDU müsse das Büßerhemd ausziehen und den Kampfanzug anlegen, sagte Barnabas: "Hab'n Sie jetzt eigentlich das Büßerhemd schon ausgezogen, Frau Merkel? Oder tragen Sie das heute unter dem feschen Escada-Kampfanzug - quasi als Reizwäsche für den Herrn Stoiber?" Beim gemeinsamen Eintreffen mit Merkel am Nockherberg hatte Stoiber erklärt: "Wir kommen im doppelten Kampfanzug."

In der Bußpredigt hieß es, Stoiber heize Schröder jeden Tag ein und lösche dann "voll Feuereifer sogar mit Benzin - und der Kanzler riacht no gar koa Feuer unter seim Hintern! Der ignoriert Eahna ja net amal".

Nach dem Lied "Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe" sang Merkel-Double Corinna Duhr: "Ich bin die Zuckerpuppe / aus der Schwarzgeldtruppe / von der Christlichen Union. / Ich bin die Ossi-Biene, / mit der Poker-Miene / aus der Bimbes-Bastion."

Die Starkbierprobe musste in diesem Jahr in einer dekorierten Lagerhalle stattfinden, weil der Salvatorkeller im vergangenen Jahr abgebrannt war. Die rund 500 geladenen Gäste bekamen Freibier. Für die "Normalsterblichen" wird das Salvator-Starkbier in einem Festzelt unterhalb des Nockherbergs ausgeschenkt - für 11,80 Mark je Mass.

Mehr als 200 verschiedene Starkbiere werden in Bayern gebraut, ihre Namen enden meist auf "-ator". Sie haben eine Stammwürze von mindestens 18 Prozent, was einem Alkoholgehalt von rund sieben Prozent entspricht. Die Tradition des Salvatoranstichs geht auf ein Ritual des Münchner Mönchsordens der Paulaner von 1780 zurück. Das süffige Bier wurde von den Mönchen als "flüssige Nahrung" deklariert und fiel somit nicht unter das Fastengebot. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition erst 1950 wieder aufgegriffen. Nur einmal - 1991 - fiel der jährliche Starkbieranstich aus, weil er den Veranstaltern damals wegen des Golfkriegs unpassend erschien.