Nebeneinkünfte Steinbrück will Details zu bezahlten Vorträgen offenlegen
Kanzlerkandidat Steinbrück: "Ort und Thema jedes Vortrags veröffentlichen"
Foto: JOHANNES EISELE/ AFPBerlin - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will Informationen zu seinen Honorar-Vorträgen so schnell und umfassend wie möglich offenlegen. Er habe bereits eine Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft damit beauftragt, alle Unterlagen dazu noch einmal zu prüfen, sagte er der "Bild"-Zeitung.
"Wenn die Arbeit in zwei bis drei Wochen abgeschlossen ist, werden Auftraggeber, Ort und Thema jedes einzelnen Vortrages veröffentlicht", sagte der frühere Finanzminister.
Außerdem werde er das durchschnittliche Honorar der bezahlten Vorträge vor und nach Steuern in den Jahren 2009 bis 2012 publik machen. Jedes einzelne Honorar genau anzugeben sei "so gut wie unmöglich", sagte Steinbrück. Dafür sei die Erlaubnis jedes einzelnen Vertragspartners nötig.
Steinbrück war wegen zahlreicher gut bezahlter Vorträge in seiner Zeit als Abgeordneter in die Kritik geraten. Er gab auf seiner Bundestags-Homepage an, seit 2009 rund 80 bezahlte Vorträge und Reden gehalten zu haben, größtenteils mit einem Honorar von mehr als 7000 Euro. Genannt sind aber teilweise nicht die eigentlichen Auftraggeber, sondern die vermittelnden Redneragenturen.
Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International warf Steinbrück vor, somit bei seinen Nebeneinkünften nicht einmal geltende Bundestagsregeln korrekt zu befolgen. Transparency-Geschäftsführer Christian Humborg forderte gegenüber SPIEGEL ONLINE zudem, die Regeln zur Veröffentlichungspflicht von Nebenverdiensten grundsätzlich zu reformieren. Nötig sei die "Offenlegung der Nebeneinkünfte auf Heller und Pfennig - und zwar für alle Abgeordnete", sagte Humborg.
Die Kritik aus den Reihen von Union und FDP an seinem Umgang mit den Nebeneinkünften wies der SPD-Kanzlerkandidat in scharfer Form zurück: "Die Vorwürfe aus den Reihen der CDU/CSU und der FDP sind heuchlerisch und scheinheilig. Union und FDP waren die heute geltenden Transparenzregeln für Bundestagsabgeordnete viel zu scharf, wir mussten sie gegen ihren Willen durchsetzen", sagte er der "Bild"-Zeitung.
Er hatte bereits zuvor Kritikern vorgeworfen, dass sie seine "persönliche Glaubwürdigkeit" beschädigen wollten.