Steuerprozess "Strauß hat sehr bizarre Gedanken"
Augsburg - Die Zahlung habe "hundertprozentig" nichts mit dem Sohn des verstorbenen CSU-Chefs Franz Josef Strauß zu tun, sagte der 62-jährige Holzer heute vor dem Augsburger Landgericht. Er versicherte, das Geld von Schreiber direkt für Vermittlungstätigkeiten bei einem Airbus-Geschäft mit China erhalten zu haben.
Holzer fügte hinzu, er habe mit der Familie des verstorbenen Ministerpräsidenten Strauß über lange Jahre sehr enge Beziehungen unterhalten. Nach dem Tod des Vaters habe er versucht, die Kontakte von Max Strauß auszunutzen. "Meistens ging es um große Geschäfte im Bereich von Flugzeugen, leider ist da nichts zu Stande gekommen", sagte Holzer. "Herr Strauß hatte zwar die Kontakte, aber er konnte es nicht umsetzen. Er war noch zu jung."
So habe er einmal zusammen mit Strauß vergeblich versucht, Airbusse in die Philippinen zu verkaufen, berichtete Holzer. Im Gegenzug sollte Kokosöl geliefert werden. Aus diesem Geschäft sei jedoch auch nichts geworden. "Herr Strauß hat des öfteren sehr bizarre Gedanken", sagte Holzer. Der gesundheitlich angeschlagene Angeklagte verfolgte die Aussage weitgehend regungslos, manchmal mit geschlossenen Augen.
Strauß ist angeklagt, über zwei Millionen Euro von Schreiber, einer Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre, für Airbus-Geschäfte bekommen und nicht versteuert zu haben. Das Geld floss nach Ansicht der Anklage über das Konto "Maxwell" - dafür gibt es aber keine Beweise. Die Staatsanwaltschaft wirft Strauß vor, er habe die Überweisung von diesem Konto veranlasst oder zumindest Zugriff auf das Konto gehabt. Die Anklage stützt sich allein auf Indizien.
Die Vernehmung Holzers war mehrfach verschoben worden, weil das Gericht Schwierigkeiten hatte, die Adresse des im Libanon lebenden Geschäftsmanns ausfindig zu machen. Holzer wurde in Frankreich wegen seiner Verwicklung in die Affäre beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Werke zu einer Haftstrafe verurteilt und wurde auch vor den Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestags geladen. Der Hauptverdächtige Schreiber hat sich einer Strafverfolgung durch Flucht nach Kanada entzogen. Im Zuge der Ermittlungen gegen ihn wurde im Herbst 1999 die CDU-Spendenaffäre bekannt, weil Schreiber CDU-Politikern nicht korrekt verbuchte Barspenden übergeben hatte.
Vorwurf der Geldwäsche zurückgewiesen
Holzer stellte sich dem Gericht als Kaufmann mit Wohnsitz in Beirut vor. Seine Firma Delta International erziele einen Milliardenumsatz, indem sie internationale Projekte akquiriere: "Heute in der ganzen Welt, früher mehr in der arabischen Welt, weil ich dort gute Kontakte habe."
Den Vorwurf er habe die Geschäftssitze seiner Firma auf Liechtenstein, Monaco und Libanon verteilt, um Geldwäsche oder Steuerhinterziehung zu betreiben, wies Holzer zurück. Nur in diesen Ländern bekomme er von Banken Kredite für seine meist im Öl-Bereich angesiedelten Geschäfte: "Wenn Sie in Deutschland kein Geld bekommen, gehen Sie woanders hin."