Stichwort: Der Nationale Ethikrat - DER SPIEGEL
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Stichwort Der Nationale Ethikrat

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Berlin - Angesichts der rasanten Entwicklung in der Genforschung hat Bundeskanzler Gerhard Schröder Anfang Mai den Nationalen Ethikrat ins Leben gerufen. Sein Auftrag lautet, einen Dialog über ethische Fragen in den Lebenswissenschaften zu führen. Trotz dieser sehr weit gefassten Aufgabenstellung stand schon vor Konstituierung des Gremiums der erste konkrete Testfall für den Rat fest. Der 25-köpfige Rat sollte zügig über den umstrittenen Import von Embryo-Stammzellen zu Forschungszwecken befinden.

Zwei Bonner Wissenschaftler wollen solche Zellen importieren. Das elf Jahre alte Embryonenschutzgesetz untersagt zwar die Forschung an Embryonen, regelt jedoch nicht die Frage des Imports von Embryo-Stammzellen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die diesen Antrag genehmigen muss, hat auf Grund der öffentlichen Diskussion ihre Entscheidung bereits mehrfach verschoben.

Der Ethikrat hatte bereits in seiner ersten Sitzung die DFG gebeten, ihre Entscheidung "wegen der besonderen Bedeutung des Einzelfalles" bis zum Dezember aufzuschieben. Bis dahin wolle das Gremium eine Stellungnahme abgeben.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder drängt auf eine Entscheidung bis Jahresende. Der Beschluss sei wegen des internationalen Wettbewerbs in der Wissenschaft nicht weiter aufschiebbar, hatte er im Juli erklärt.

Die Einrichtung des Rates, dessen Mitglieder direkt von Schröder berufen wurden, war umstritten. Kritiker hatten erklärt, der Rat sei eine Konkurrenz zur bereits bestehenden Enquêtekommission des Bundestages, die sich mit den gleichen Themen befasst.

Vorsitzender des Rates ist Spiros Simitis. Der Jurist aus Frankfurt am Main war langjähriger Datenschutzbeauftragter in Hessen.

Dem Gremium gehören außerdem DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker, der Berliner Molekularbiologe Jens Reich, der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, Jenoptik-Chef Lothar Späth und die Nobelpreisträgerin und Biologin Christiane Nüsslein-Volhard an. Daneben sind auch Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften und Behinderten-Gruppen berufen worden.