Stichwort Maul- und Klauenseuche
Frankfurt/Main - Nach der Rinderkrankheit BSE bedroht jetzt die Maul- und Klauenseuche (MKS) die Nutztierbestände in Europa. Die in Großbritannien ausgebrochene hoch ansteckende Viruserkrankung ist in Deutschland seit zwölf Jahren nicht mehr aufgetreten. Gefährdet sind Paarhufer wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Damwild. Die Seuche geht mit Fieber, blasigen Entzündungen an Maul und Füßen sowie Hautveränderungen einher. Die Krankheit verläuft bei erwachsenen Tieren meist nicht tödlich, führt aber bei Rindern zu einem lang anhaltenden Leistungsabfall. Für den Menschen ist sie ungefährlich.
Übertragen wird der Erreger über Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit beträgt beim Schwein ein bis drei Tage, beim Schaf zwei bis 14 Tage. Infizierte Tiere scheiden große Mengen des Virus über Speichel und Kot aus, selbst wenn die Krankheit noch nicht voll zum Ausbruch gekommen ist. Eine Abschirmung ist schwer: Die Viren können Menschen, Fahrzeugen, Futter- und Lebensmitteln anhaften oder auch durch den Wind in die Bestände gelangen. Infizierte Wiederkäuer, sogar wenn sie dank einer Impfung niemals klinische Symptome gezeigt haben, können über Monate bis Jahre den Virus ausscheiden.
Die widerstandsfähigen Erreger wandeln sich ständig, deshalb sind immer wieder neue Impfstoffe erforderlich. Die vorbeugenden Impfungen wurden 1991 in der EU eingestellt, weil sie ihre Aufgabe mit der Tilgung der auf dem Kontinent auftretenden MKS-Stämme erfüllt hatten. Für den Notfall gibt es in verschiedenen EU-Mitgliedsländern Impfbanken, die mit der Produktion von Impfstoffen beginnen können. In vielen Ländern Asiens, Afrikas oder Südamerikas ist MKS nach wie vor vorhanden.
Die besondere Brisanz der Maul- und Klauenseuche besteht in ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit, die in der Regel zu hohen wirtschaftlichen Verlusten bei den Agrarbetrieben führt. Die Bekämpfungsstrategie besteht in der Tötung befallener Bestände sowie in umfangreichen Sperrmaßnahmen und Handelsverboten. In den Jahren 1966 und 1967 mussten in England wegen massenhafter MKS-Ausbrüche fast eine halbe Million Tiere getötet werden. Der letzte MKS-Ausbruch in Europa vor dem jetzigen Fällen in Südengland ereignete sich im vergangenen Jahr in Griechenland.