Stichwort: Präimplantationsdiagnostik - DER SPIEGEL
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Stichwort Präimplantationsdiagnostik

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) handelt es sich um einen Test, mit dem genetische Schädigungen menschlicher Embryonen frühzeitig festgestellt werden können. Voraussetzung ist eine Befruchtung im Reagenzglas auch für solche Paare, die normalerweise auf natürlichem Weg Kinder zeugen könnten. Die PID wird in der Regel am dritten Tag nach der Befruchtung vorgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Embryo im Stadium eines Achtzellers, dem man - ohne ihn in seiner weiteren Entwicklung zu gefährden - Zellen entnehmen kann. Im allgemeinen reichen zwei der genetisch identischen Zellen aus, um eine Aussage über mögliche Erbkrankheiten des gesamten Embryos zu machen. Ist der Embryo gesund, wird er in die mütterliche Gebärmutter verpflanzt, ist er geschädigt, lässt man ihn absterben.

Diese Methode ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Danach wird jeder bestraft, der eine künstliche Befruchtung zu einem anderen Zweck durchführt als zur Herbeiführung einer Schwangerschaft der Frau, von der die Eizelle stammt. Um Manipulationen oder Versuche an Embryonen zu verhindern, verlangt das Gesetz außerdem, dass alle befruchteten Eizellen eingepflanzt werden müssen. Die PID sieht dagegen die "Verwerfung" (Entsorgung) geschädigter Embryonen vor.

Eltern mit genetischen Vorbelastungen haben nur die Möglichkeit, durch eine engmaschige vorgeburtliche Diagnostik etwaige Behinderungen ihrer Kinder zu erkennen und gegebenenfalls eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Über Abweichungen im Erbgut gibt die Amniozentese, die Untersuchung des Fruchtwassers, Aufschluss.

Die PID ist auch unter Ärzten umstritten und hat gerade in den vergangenen Wochen im Zuge der Diskussion um die Forschung an embryonalen Stammzellen heftige juristische und gesellschaftliche Diskussionen ausgelöst. Die Gegner lehnen die Methode mit der Begründung ab, dass eine Auslese menschlicher Embryonen ethisch unzulässig sei. Sie befürchten außerdem, dass PID nicht nur die Ausgrenzung behinderter Kinder, sondern auch derer Eltern zur Folge hat. Die Befürworter argumentieren vor allem damit, dass so genannten Risiko-Paaren mit bestimmten Erbkrankheiten die Geburt behinderter Kinder erspart werden kann.