Stichwort Von der Eugenik bis zum Klonen
Hamburg - Der Nationale Ethikrat soll zu ethischen Fragen der Gen- und Biotechnik Stellung beziehen und die Politik beraten. Heiß diskutiert werden unter anderem die Forschung mit embryonalen Stammzellen und Gentests an im Reagenzglas erzeugten Embryonen (PID). Mit embryonalen Stammzellen möchten Wissenschaftler Ersatz für geschädigtes Gewebe schaffen. Andere experimentieren mit den ethisch wenig umstrittenen Stammzellen aus Geweben des Menschen (adulte Stammzellen). Noch ist nicht klar, welches Verfahren später Patienten mit Alzheimer, Parkinson, Diabetes oder Herzleiden helfen kann. In jedem Fall wird es aber bis zu Anwendung noch viele Jahre dauern.
Neben diesen Methoden diskutieren Politiker, inwiefern eine gezielte Auswahl von Embryonen in Deutschland erlaubt werden soll, damit Menschen mit bestimmten Erbkrankheiten gar nicht erst entstehen. Heiß diskutiert sind folgende Begriffe:
EUGENIK (griechisch: wohlgeboren; Erbgesundheitslehre): Ziel der Eugenik ist es, die Ausbreitung von "ungünstigen Genen" in der Bevölkerung einzuschränken und erwünschte Genkonstellationen zu vermehren. Den Begriff Eugenik prägte der britische Naturforscher Francis Galton (1822-1911). Bereits 1757 wurde in Schweden Epilepsiekranken verboten zu heiraten. Die Nationalsozialisten missbrauchten den Begriff Eugenik. Sie rechtfertigten damit die Vernichtung von so genanntem "lebensunwerten Leben" und zwangen Menschen, denen sie erbliche Minderwertigkeit zuschrieben, zur Sterilistation. Die heutige Eugenik versucht unter anderem, Paaren mittels genetischer Beratung zu helfen, wenn das Risiko besteht, eine Erbkrankheit an die Kinder weiter zu geben. Ziel ist aber auch, das Erbgut vor Strahlen und Chemikalien zu schützen.
PRÄIMPLANTATIONSDIAGNOSTIK (PID): Nach einer künstlichen Befruchtung wird der Embryo auf krankhaft veränderte Gene getestet. Es werden nur diejenigen Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt, die voraussichtlich keine der Krankheiten bekommen, auf die geprüft wurde. Die PID ist in Deutschland verboten.
ADULTE STAMMZELLEN: Sind teilungsfähige Zellen, die laut Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) in bislang 20 Organen des Körpers und im Nabelschnurblut von Neugeborenen gefunden wurden. Sie können sich im Vergleich zu embryonalen Stammzellen nur begrenzt vermehren und in andere Gewebe entwickeln. Ethische Bedenken gibt es hierbei nicht.
EMBRYONALE STAMMZELLEN: Sie können sich unentwegt weiter teilen und im Körper noch zu mehr als 200 Geweben heranwachsen. Aus den Stammzellen kann laut DFG jedoch kein Baby entstehen.
Die Zellen werden unter anderem aus überzähligen Embryonen gewonnen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstehen und nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt werden. In Großbritannien ist auch die Gewinnung mit Hilfe des Klonens erlaubt: Eine Eizelle wird entkernt und mit dem Erbmaterial einer Körperzelle versetzt. Es entsteht eine Zelle, die sich wie ein Embryo weiterentwickelt. Aus diesem Embryo können Stammzellen gewonnen werden (therapeutisches Klonen).
Sowohl geklonte als auch überzählige Embryonen werden durch die Entnahme der Stammzellen zerstört. Daher sind diese Methoden in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten.
THERAPEUTISCHES KLONEN: Die Embryonen werden hierbei allein zu Therapiezwecken erzeugt. Wissenschaftler wollen dabei neues Gewebe mit dem Erbgut eines Patienten züchten. Erbmaterial aus gesunden Zellen des Patienten soll dazu in eine entkernte Eizelle gespritzt werden. Diese teilt sich mehrfach. Am vierten Tag werden daraus Stammzellen entnommen. Diese sollen so programmiert werden, dass sie sich zu verschiedensten Geweben und Organen umbilden können. Dies ist bereits ansatzweise in ersten Tierversuchen gelungen.
REPRODUKTIVES KLONEN: Die Embryonen werden erzeugt, um identische Nachkommen zu schaffen. Auf diese Weise war das Klonschaf "Dolly" entstanden. Einige Mediziner haben angekündigt, auch Menschen klonen zu wollen.
TOTIPOTENTE ZELLEN können sich noch in ein komplettes Lebewesen entwickeln. Aus PLURIPOTENTEN ZELLEN können nur noch verschiedene Gewebe entstehen.