Studie Truppe enttäuscht über Scharping
Berlin - Die gegenwärtige Debatte um die Zukunft der Bundeswehr hat die Soldaten einer Studie über das Stimmungsbild in der Truppe zufolge erheblich verunsichert. Aus der am Freitag vorgelegten Studie, die im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung erstellt wurde, geht hervor, dass die Soldaten befürchten, weitere Einsparungen könnten ihre Arbeit letztendlich unmöglich machen. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, General a. D. Klaus Naumann, sagte bei Vorstellung der Studie in Berlin, schon mit dem heutigen Verteidigungshaushalt sei die dringend gebotene Modernisierung der Streitkräfte nicht zu bewältigen.
Die Studie enthält die Ergebnisse von Befragungen von mehr als tausend aktiven Soldaten, Reservisten und Zivilangestellten der Bundeswehr. Unter ihnen hält sie unter anderem Enttäuschung über Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) fest, weil kein Verteidigungsminister mit so vielen Versprechungen zur Verbesserung der Lage der Bundeswehr sein Amt angetreten habe wie er. Tatsächlich werde die Bundeswehr aber von einem strikten Sparkurs getroffen. Lob der Truppe bekomme Scharping hingegen für seine Bereitschaft, den Soldaten zuzuhören. Es gebe unter ihm ein offeneres Diskussionsklima in der Bundeswehr.
Verunsichert sind die Soldaten der Studie zufolge wegen der Vielzahl der derzeit vorgelegten Konzeptionen zur künftigen Struktur der Bundeswehr. Scharping will die Truppe von jetzt 320.000 auf rund 275.000 Soldaten verkleinern. Naumann warnte davor, durch Einsparungen gewonnene Mittel nicht für eine Modernisierung der Bundeswehr einzusetzen. Sie laufe Gefahr, ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen zu können.
Die Studie belegt zahlreiche Klagen über den Ausrüstungsstand der Truppe. So schilderten Soldaten, sie verbrächten die meiste Zeit damit, Ersatzteile aus- und einzubauen, um wenigstens einen Teil der Fuhrparks noch funktionstüchtig zu halten. Computer, so weit überhaupt vorhanden, seien "deutlich älter als das, womit der Sohn zu Hause spielt". Altersschwache Hubschrauber, die seit mehr als 30 Jahren eingesetzt würden, gefährdeten Piloten und Passagiere. Bei Flügen nach Kroatien zwängen häufige Pannen der Flugzeuge die Soldaten zu mehrmaligem Umsteigen. Vom Sanitätswesen der Bundeswehr heißt es unter Berufung von Aussagen von Sanitätsoffizieren, es stehe "am Rande des Kollaps". Zudem seien die Kasernen gerade in den alten Bundesländern großenteils in einem erbärmlichen Zustand.