Studienplatz-Quote Röslers Landarzt-Idee findet kaum Unterstützer
Gesundheitsminister Rösler: Mediziner aufs Land locken
Foto: Sean Gallup/ Getty ImagesBerlin - Das Problem des Ärztemangels in ländlichen Gebieten ist allen bewusst, doch über die Lösung wird gestritten: Gesundheitsminister Philipp Rösler will über die Studienplatzvergabe mehr Mediziner aufs Land locken. Nach dem Vorschlag des FDP-Politikers sollen angehende Mediziner künftig bevorzugt einen Studienplatz erhalten, wenn sie sich für einige Jahre als Landarzt verpflichten.
Doch Oppositionspolitiker und auch Ärztevertreter halten dies nicht für den richtigen Weg. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bezeichnete Röslers Vorstoß als "Ostergag". Lauterbach schlug stattdessen vor, die Zahl der Studienplätze insgesamt zu erhöhen und die Hausärzte besser zu bezahlen. "Wenn der Facharzt in der Stadt mehr verdient als der Hausarzt auf dem Land, nutzen auch neue Auswahlverfahren und Quoten nichts", sagte Lauterbach der "Passauer Neuen Presse".
Auch aus Niedersachsen erhält Rösler keine Unterstützung. "Quoten helfen uns überhaupt nicht weiter", sagte Landeswissenschaftsminister Lutz Stratmann der "Financial Times Deutschland". Eine Landarztquote sei weder mit der Freiheit der Lehre vereinbar, noch passe sie zur Lebenswirklichkeit von Studienanfängern", meinte der CDU-Politiker. Entscheidend sei weniger der Zugang zum Studium als das, was danach komme. "Wenn alle Absolventen eines Medizinstudiums hinterher auch den Beruf ergreifen würden, hätten wir keinen Ärztemangel, nicht einmal einen Landärztemangel."
Der Deutsche Hausärzteverband machte vor allem finanzielle Aspekte für den Ärztemangel auf dem Land verantwortlich. Ein angehender Hausarzt müsse kalkulieren können, wie viel Geld er bekomme, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt der "Frankfurter Rundschau". "Er muss wissen, ob das Honorar reicht, mit weiteren Ärzten eine Gemeinschaftspraxis eröffnen zu können, um gegebenenfalls auch tausend Patienten oder mehr versorgen zu können."
"Geld allein wird das Problem nicht lösen"
Ohne finanzielle Sicherheit werde kaum noch ein Arzt das Wagnis einer Praxisgründung auf dem Land eingehen. "Hausärzte arbeiten derzeit mehr und verdienen weniger als Fachärzte", beklagte Weigeldt. Je mehr Menschen die Landärzte behandelten, desto schlechter würden sie honoriert. Zudem seien immer weniger Absolventen eines Medizinstudiums für den Ärzteberuf zu gewinnen, sondern arbeiteten lieber bei Behörden, Krankenkassen und in der Industrie.
Rösler dagegen verteidigte seinen Vorschlag. Entscheidend sei ein Bündel von Maßnahmen, etwa ein Ende der Zugangsbeschränkung - des sogenannten Numerus clausus - zum Medizinstudium und mehr Studienplätze, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". "Geld allein wird das Problem nicht lösen", sagte Rösler mit Blick auf Forderungen nach einer besseren Bezahlung von Ärzten auf dem Land.
Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, lehnte eine Abschaffung der Zugangsbeschränkung für das Medizinstudium ab. "Den Numerus clausus fallen zu lassen, macht keinen Sinn, aber vernünftig wären bessere Auswahlkriterien für junge Leute", sagte Montgomery im Deutschlandfunk. Es gebe keinen Bedarf an einer Vermehrung der Studienplätze, stattdessen müssten vor Beginn eines Studiums Motivation und soziale Kompetenz der Anwärter geprüft werden und "nicht nur die Abiturnote alleine".
Montgomery forderte Anreize für Absolventen, um sie in der Medizin zu halten und etwa das Arbeiten auf dem Land attraktiv zu machen. "Man muss auch die Frage stellen, ob wir uns wirklich leisten können, dass 40 Prozent derjenigen, die das Medizinstudium anfangen, am Ende nicht in der Medizin arbeiten wollen", sagte er.