Terrorwarnung BND sieht Bedrohung von weichen Zielen
Frankfurt am Main/Tutzing - Bouffier versicherte jedoch, es bestehe kein Anlass zur Panik. Zurzeit gebe es keine Hinweise auf konkret bevorstehende Anschläge, sagte er gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Besonderes Kopfzerbrechen bereitet den Fahndern, dass der Anschlag auf die Diskothek in Bali Schule machen könnte. Es sei eine Tendenz hin zu solchen so genannten "Soft Targets" zu erkennen, sagte der BND-Referatsleiter für Terrorismus, Michael Hildebrandt, am Freitagabend in Tutzing.
"Man kann nicht zwingend davon ausgehen, dass es auch so weiter geht. Aber es ist wahrscheinlich, dass möglicherweise eher weniger scharf bewachte Ziele in Frage kommen", sagte Hildebrandt in der Akademie für Politische Bildung. Konkrete Indizien gebe es nicht. Die Gefahr sei aber als hoch einzuschätzen.
Bewachung der gefährdeten Objekt nicht aufgeben
Bei den schwer bewachten Zielen seien der Aufwand und das Risiko eines Fehlschlags für die Terroristen inzwischen sehr groß. Der Bombenanschlag auf eine Diskothek, die Muslime als Symbol westlicher Dekadenz ansehen konnten, sei einfacher gewesen. "Es kann aber gut sein, dass sie ihre Strategie von einem Tag auf den anderen wieder ändern", mahnte Hildebrandt. Deshalb dürfe die Bewachung anderer potenzieller Ziele nicht verringert werden.
Die antiwestliche Einstellung vieler Menschen in den arabischen Ländern gebe Anlass zu Besorgnis, sagte Hildebrandt. Ein Angriff der USA auf Irak könnte den Nährboden für Terrorismus erweitern.
Die al-Qaida habe durch die Zerstörung ihrer Basis in Afghanistan einen schweren Rückschlag erlitten. Aber sie versuche, sich dort neu zu gruppieren und Anschläge auf die westliche Präsenz und deren lokale Verbündete vorzubereiten. "Wir vermuten, dass die Terroristenführer Osama bin Laden und al Zawahiri sich mit Unterstützung lokaler Paschtunengruppen im Grenzgebiet von Afghanistan und Pakistan versteckt halten", sagte Hildebrandt. Die Strukturen der al-Qaida außerhalb von Afghanistan seien weitgehend intakt geblieben. Sie hätten sogar eine Blutauffrischung bekommen durch versprengte Kämpfer. Die Anschläge in Bali, auf die Synagoge in Djerba, auf US-Soldaten in Kuweit und auf den Tanker "Limbourg" zeigten die Aktivität des Terrornetzes.
Britische Regierung warnt vor Reise in den Jemen
Am Freitagabend hatte Mitarbeiter der US-Regierung bekannt gegeben, dass kürzlich ein ranghoher Al-Qaida-Terrorist festgenommen worden ist. Um wen es sich handelt, wollte der Informant nicht sagen, schloss aber aus, dass es Bin Laden, sein Stellvertreter al-Zawahiri oder der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, Khalid Scheich Mohammed, sei. Auch zu Ort oder Zeitpunkt der Festnahme wollte er sich nicht äußern.
Unterdessen hat die britische Regierung die Bürger des Landes aufgefordert, den arabischen Staat Jemen zu meiden oder die Abreise in Betracht zu ziehen, falls sie sich bereits dort aufhalten. Es seien Anschläge von Extremisten zu befürchten, heißt es auf der Webseite des Außenministeriums in London.
Die Reisewarnung folgt wenige Tage auf die Veröffentlichung eines Tonbandes mit der Drohung der radikalislamischen Organisation al-Qaida, neue Anschläge gegen die USA und einige ihrer Verbündeten zu verüben. Die Stimme auf dem Band soll die von Bin Laden sein. Er wurde in Saudi-Arabien geboren, doch seine Vorfahren stammen aus dem Nachbarland Jemen.