Thierse: Rassismus im Osten "frecher" - DER SPIEGEL
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Thierse Rassismus im Osten "frecher"

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hält die Ausländerfeindlichkeit in den neuen Ländern für stärker ausgeprägt als im Westen. Der Rassismus sei aber kein alleiniges ostdeutsches Problem.
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Osnabrück - Der Rechtsextremismus habe in den neuen Ländern "ein brutaleres, man muss auch sagen frecheres Gesicht", sagte der SPD-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die "ideologischen Rattenfänger", die aus dem Westen oder Süden Deutschlands und aus Österreich gekommen seien, hätten ein offensichtlich verführbareres Publikum gefunden.

Wegen der Umwälzungen der vergangenen zehn Jahre seien die soziale Verunsicherung und Überforderungsängste im Osten viel größer als im Westen Deutschlands, sagte Thierse. Auch schleppten die Ostdeutschen aus SED-Zeiten eine ideologische Erbschaft mit sich, die autoritär genannt werden könne. "Es ist dies eine mangelnde Fähigkeit oder mangelnde Erfahrung mit dem Austragen von Konflikten, mit dem Umgang mit Fremdem und Fremden."

"Ausländerfeindlichkeit ist ein selbstverständlicher Teil des Alltagsbewusstseins nicht weniger Deutscher geworden", kritisierte Thierse mit Blick auf die gesamte Republik. Es sei keine Mehrheit, aber doch eine größere Anzahl, als man noch in den vergangenen Jahren habe wahrhaben wollen. "Wir müssen den zunehmenden Rechtsradikalismus so ernst nehmen, um der Ausbreitung eines Bazillus Herr zu werden, damit sich keine wirkliche Krankheit entwickelt."

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