Terrorgefahr De Maizière will Großveranstaltungen besser sichern
Polizist vor der HDI-Arena in Hannover
Foto: Christian Charisius/ dpaNach den Anschlägen von Würzburg und Nizza hält Innenminister Thomas de Maizière schärfere Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland für unvermeidlich. "Wir werden uns bei großen öffentlichen Veranstaltungen wie Faschingsumzügen, Fußballspielen, Kirchentagen oder Oktoberfesten mitunter an intensivere Sicherheitsvorkehrungen gewöhnen müssen", sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL. Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.
Was bedeutet das konkret? "Das können strengere Einlasskontrollen sein oder weiträumige Absperrungen. Es wird zum Teil auch längere Schlangen bei Großveranstaltungen geben", sagte de Maizière. Er sei aber "dagegen, dass wir unser freiheitliches Leben, gerade auch zu fröhlichen Anlässen, grundsätzlich verändern".
Der Minister räumte ein, dass trotz aller Anstrengungen der Sicherheitsbehörden weitere Anschläge nicht ausgeschlossen werden könnten: "Kein Rechtsstaat der Welt ist imstande, jede Straftat, jeden Amoklauf oder jeden Terrorakt mit letzter Sicherheit zu verhindern."
Es gehöre leider zum menschlichen Leben dazu, dass es solche Gewaltexzesse gebe: "Wir tun alles dafür, so etwas zu verhindern, aber bis zu einem gewissen Ausmaß muss eine Gesellschaft das aushalten, so bitter das ist."
Thomas de Maizière
Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFPNahe Würzburg hatte am vergangenen Montag ein 17-Jähriger in einem Regionalzug mehrere Menschen mit einer Axt angegriffen und schwer verletzt. Er wurde von der Polizei erschossen. Am 14. Juli war ein 31-jähriger Franzose mit tunesischen Wurzeln mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza gerast. Er tötete 84 Menschen, bis die Polizei ihn erschoss.
Geheimdienste sollen besser kooperieren
Die jüngsten Anschläge haben auch auf europäischer Ebene Aktivität ausgelöst. So fordert Rob Wainwright, der Chef der europäischen Polizeibehörde Europol, eine bessere Vernetzung der Datenbanken zur Terrorismusbekämpfung. "Wir erleben immer mehr, dass Terroristen wie in Paris oder Brüssel eine Vergangenheit als Kleinkriminelle haben", sagte er dem SPIEGEL: "Diese Informationen finden Sie nur in Polizeiakten."
Führende Politiker im Europaparlament mahnen die Sicherheitsbehörden ebenfalls, besser zu kooperieren. "Die nationalen Geheimdienste müssen endlich dazu verpflichtet werden, alle ihre Erkenntnisse bei europäischen Behörden wie Europol abzugeben", sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses, Elmar Brok (CDU). Lesen Sie hier die ganze Geschichteim neuen SPIEGEL.
Axel Voss, stellvertretender Vorsitzender im Rechtsausschuss, will die Dienste mit einem Antrag im EU-Parlament dazu drängen, ihre Erkenntnisse gegenseitig offenzulegen. "Obwohl eine Blutspur durch Europa geht, behandeln wir den islamistischen Terror wie eine Randerscheinung", sagte der CDU-Politiker.
Europol-Chef Wainwright sieht allerdings bereits deutliche Verbesserungen in der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden: "Es soll nicht zynisch klingen, aber die Anschläge haben die Bereitschaft zu kooperieren enorm befördert."