Thomas Schäuble "Ich verabscheue Kohl"
Stuttgart - Der Bruder von Wolfgang Schäuble, Thomas Schäuble, hat ein tiefes Zerwürfnis zwischen Helmut Kohl und dessen Nachfolger im Amt des CDU-Vorsitzenden offenbart. Der baden-württembergische Innenminister sagte am Donnerstag in Stuttgart: "Ich verabscheue Herrn Kohl, und da kann ich für die ganze Familie sprechen."
Den Rücktritt seines Bruders nannte der CDU-Politiker Schäuble zwangsläufig, weil eine Erneuerung der Partei nur möglich gewesen wäre, wenn sich der ehemalige Bundeskanzler Kohl "ganz stark" zurückgenommen hätte. "Das war aber nicht der Fall", sagte Thomas Schäuble. Im Rückblick bewerte er es als falsch, dass sein Bruder nicht schon im Januar zurückgetreten sei. Zumal er auch "aus nicht ganz altruistischen Gründen" im CDU-Bundesvorstand davon abgehalten worden sei. "Ihm und uns wären einige bittere und quälende Wochen erspart geblieben", sagte der Innenminister.
Er selber habe bereits seit dem Attentat auf seinen Bruder "erhebliche Vorbehalte gegen Herrn Kohl". Er sei damals "abgespeist worden", als er im Auftrag seiner Schwägerin den Bundeskanzler habe informieren wollen. Dessen Tränen beim Besuch im Krankenhaus nannte Schäuble "etwas fragwürdig, aber es ist ja inzwischen bekannt, dass der Altkanzler sehr nahe am Wasser gebaut hat".
Thomas Schäuble sagte, sein Bruder leide darunter, erkennen zu müssen, dass nicht alles verdienstvoll gewesen sei in den 16 Regierungsjahren Kohls. Wie die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan sprach sich auch der Innenminister für rechtliche Schritte gegen den Altkanzler aus. Er sei für ein stufenweises Vorgehen, an dessen Ende auch an rechtliche Schritte gedacht werden müsse, "selbst wenn das nicht ganz einfach ist angesichts der Befindlichkeit der Partei".