Thüringen: Wer kommt nach Vogel? - DER SPIEGEL
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Thüringen Wer kommt nach Vogel?

Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel gibt den Vorsitz der Landes-CDU ab, um so seinen politischen Rückzug auf Raten vorzubereiten. Aber die Frage nach einem Nachfolger ist noch nicht beantwortet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dieter Althaus soll der politische Kronprinz in Thüringen heißen - zumindest wenn es nach dem Willen von Ministerpräsident Bernhard Vogel geht. Der Wechsel an der Führungsspitze der Landes-CDU auf einem Landesparteitag in Zeulenroda am Wochenende soll der erste Schritt auf Althaus' Weg in die Erfurter Staatskanzlei sein.

Der 67-jährige Vogel will nach eigenem Bekunden einen Generationswechsel einleiten. Der 25 Jahre jüngere Physiker und Mathematiker Althaus, bisher CDU-Fraktionschef im Erfurter Landtag, habe "als Parteivorsitzender eine zusätzliche Chance auch für weitere Aufgaben", ließ Vogel wissen. Das spüre jeder. Mit anderen Worten: Althaus soll nach Vogels Wunsch in vier Jahren sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten werden. Doch Kritiker werfen Althaus vor, er habe kaum Profil gezeigt, seit sein politischer Ziehvater Vogel ihn im September für die Nachfolge ins Spiel brachte.

Möglicherweise darf sich daher auch die 57-jährige Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski, politischer Shootingstar in der Vogel-Mannschaft, Chancen auf den Chefposten im Erfurter Kabinett ausrechnen. Bis 2004 hätte sie genug Zeit, um sich weiter zu profilieren. Würde Schipanski Ministerpräsidentin werden, bliebe allerdings der von Vogel ausgerufene Generationswechsel aus.

Auf jeden Fall muss die Thüringer CDU bis zu einem Wechsel noch einige Krisen verdauen, wichtige Identifikationsfiguren der Landespartei sind politisch angeschlagen. Da ist zum einen die Affäre um den Subventionsprozess gegen den CD-Fabrikanten Reiner Pilz. Hier fordert die SPD-Fraktion den Rücktritt von Justizminister Andreas Birkmann. Er soll versucht haben, die Justiz bei Ermittlungen zu beeinflussen. Zum anderen dürften der Partei, und im besonderen Innenminister Christian Köckert, auch die Streitereien um den Thüringer Verfassungsschutz, der den Neonazi Thomas Dienel als Spitzel angeworben hatte, stören.

Nach dem Ende seiner Amtszeit als Ministerpräsident wolle er stärker in der Bundes-CDU mitwirken, sagte Bernhard Vogel. Bei Sitzungen des Präsidiums und des Bundesvorstands könne er dann von Anfang bis Ende dabei zu sein, "um auch Torheiten zu verhindern".

Außerdem wird dem Ministerpräsidenten seit einiger Zeit nachgesagt, an die Spitze der Konrad-Adenauer-Stiftung zurückkehren zu wollen. Er war bereits von 1989 bis 1995 der Vorsitzende der CDU-nahen Stiftung. Doch dieser Plan kollidiert mit den Vorstellungen von CDU-Chefin Angela Merkel. Sie sähe lieber Wolfgang Schäuble in dieser Position, die im nächsten Frühjahr neu besetzt wird.