Trittin "Atomausstieg nicht bedroht"
Hamburg - "Ich sehe den Atomausstieg überhaupt nicht bedroht", sagte Grünen-Politiker Jürgen Trittin SPIEGEL ONLINE auf die Frage, ob er sein Lebenswerk bedroht sehe. "Mit Uran kann man weder Wohnungen heizen noch Autos betreiben - das passiert aber mit dem Öl, das in Leuna und Schwedt aufbereitet wird", sagte der stellvertretende Fraktionschef. "Die Debatte ist deshalb sehr durchsichtig."
Mit Blick auf die Diskussion, ob eine Wiederbelebung der Atomenergie Deutschlands Abhängigkeit von Energielieferanten senken könnte, sagte der Ex-Umweltminister: "Wissen Sie, wer der größte Lieferant von Uran für Deutschland ist? Russland!"
Ähnlich äußerte sich auch Grünen-Chef Reinhard Bütikofer: Auch er wies die Überlegungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Atomausstieg wieder rückgängig zu machen, zurück: "Ich weiß nicht, was sich Frau Merkel vorstellt, ob sie denkt, demnächst packen wir ein Päckchen Uran in den Tank ihres Dienstwagens."
Ganz anders Guido Westerwelle: Der FDP-Vorsitzende forderte eine völlige Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik. Es sei ein schwerer Fehler, dass die jetzige Bundesregierung den von Rot-Grün durchgesetzten Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie weiterführe, sagte Westerwelle beim Neujahrsempfang der schleswig-holsteinischen FDP in Kiel. Das "Abdrehen des Energiehahns" bei der russischen Pipeline müsse dringende Mahnung sein. "Je abhängiger wir sind von einem Land, umso erpressbarer werden wir." Eine derartige Abhängigkeit sei ein Grundsatzproblem.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer warf der früheren Bundesregierung vor, die Abhängigkeit von Energieeinfuhren vergrößert zu haben: "Es ist durch die rot-grüne Regierungspolitik etwas verschoben worden, und leider Gottes muss man sagen, dass dadurch eine verstärkte Importabhängigkeit bei Elektrizität, aber auch bei Gas und Erdöl entstanden ist", sagte Ramsauer im Bayerischen Rundfunk. Atomenergie sei "als Brückenbauer nötig, bis wir mit anderen Energiearten so weit sind".
Dem widersprach die SPD: Der Anteil der Stromerzeugung durch Öl liege in der Bundesrepublik unter 1,7 Prozent, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller dem Sender N24. Bei Öllieferungen sehe er deshalb keinen Bezug zum Strom. Der Vizefraktionschef Ulrich Kelber kritisierte, der Union gehe es nur um Ideologie: "Wer die Lieferengpässe bei Öl heranzieht, um die Kernenergie zu propagieren, ist nicht in der Lage, das Thema Energieversorgung intellektuell zu erfassen", sagte Kelber der "Berliner Zeitung". Benzin könne man nicht durch Atomenergie ersetzen.
yas/als/AP/dpa