Schlangestehen vor dem türkischen Generalkonsulat in Berlin-Charlottenburg – auch hier wird über die Zukunft von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan entschieden. Bis zum heutigen Dienstag können Auslandstürkinnen und -türken noch ihre Stimmen für die Parlaments- und Präsidentenwahlen abgeben – in der Türkei wird am Sonntag gewählt. Sie waren schon dran:
»Ich habe AK-Partei gewählt. Und dann für Recep Tayyip Erdoğan. Weil er seit 20 Jahren regiert. Gefällt mir, was er tut. Also, seine Politik sozusagen. Deswegen habe ich ihn gewählt.«
»Also, ich habe die CHP gewählt und den Kemal Kılıçdaroğlu. Langsam muss ein Tapetenwechsel in der Türkei stattfinden. Wir sehen ja, wie es da vonstattengeht. Keine Demokratie, er alleiniger Herrscher sozusagen. Der bestimmt über alles. Das ist alles nicht so rosig für die Türkei. Es muss unbedingt etwas geändert werden.«
»Am ersten Tag habe ich gewählt. Ich bin AK-Partei.«
»Wir werden diese Leute endlich loswerden, damit es unserem Land besser geht. Das sind ihre letzten Tage. Das wünsche ich mir am meisten vom lieben Gott. Mit Gottes Erlaubnis werden wir das hier beenden. Ich meine die jetzt regierenden Diebe. Die werden wir fertig machen. Deswegen sind wir hier.«
»Natürlich habe ich meine Stimme dem Chef gegeben. Er ist ein globaler Führer. Ich hoffe, das wird das Beste für unsere Nation. Aber es gibt keinen anderen Kandidaten, der ihm die Stirn bieten könnte. Deswegen habe ich ihn gewählt. Er blickt auf eine langjährige Erfahrung als Präsident zurück. Ich lebe seit 30 Jahren in Deutschland und stelle eine große Entwicklung in der Türkei fest. Wenn ich in die Türkei fahre, fängt es schon beim Zoll an. Die Autobahn ist viel besser, die Krankenhäuser sind viel besser. Früher war alles schlechter.«
»Ich habe meine Stimme der CHP gegeben. Ich möchte, dass sie gewinnen. Ich denke, wir brauchen einen Wechsel. Wir haben viel gehört und gesehen. Ich finde, es gibt sehr viel Korruption. Das habe ich alles mit verfolgt und deswegen möchte ich, dass die CHP die Wahlen gewinnt. Ich möchte, dass Kılıçdaroğlu eine Chance bekommt.«
»Ich habe die Grüne Linkspartei gewählt. Ich hoffe, dass ein neues System an die Macht kommt, damit Menschen ihr Brot, ihre Tomaten und so nicht mehr vom Müll sammeln müssen.«
In Deutschland leben fast 1,5 Millionen türkische Staatsbürger. Wer sich hat registrieren lassen, darf an der Auslandsabstimmung teilnehmen. Laut der oppositionellen CHP in Berlin haben dieses Jahr mehr Wähler ihre Stimmen abgegeben. Offizielle Zahlen zur Wahlbeteiligung in Deutschland gibt es allerdings noch nicht. Bei der Wahl im Jahr 2018 hatte Erdoğan aus Berlin die wenigsten Stimmen erhalten, die meisten bekam er aus Essen. Glauben Berliner Türken, dass es diesmal zu einem Machtwechsel in der Türkei kommt?
»Falls die Wahlen wirklich demokratisch ablaufen sollten, wird Kılıçdaroğlu gewinnen. Aber so wie wir die türkische Politik kennen, hat es noch nie demokratische Wahlen gegeben.«
»Also, ich sage mal so: Es ist sehr schwierig. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden. Jetzt zum Schluss hat Herr Erdoğan ständig irgendwelche Neuigkeiten rausgebracht wie zum Beispiel: »Wir fördern jetzt endlich Gas aus dem Schwarzen Meer.« Dann macht er irgendwelche Tunnel auf. Also, er hat immer irgendwelche Joker in der Tasche, wo die Leute auch gar nicht hinterfragen und sagen: »Ja, das macht er doch. Er macht doch die Straßen. Er macht doch da die Brücken und so weiter. Das wird wirklich sehr schwierig, aber ich hoffe, dass es endlich mal zu einem Wechsel kommt.«
»Nach dem katastrophalen Erdbeben ist er stärker geworden. Also, AK-Partei hat sehr gut gearbeitet. Das würde ich sagen. Da hat er Pluspunkte. Was er gemacht hat, das kann nicht jeder Staat überwältigen. Deswegen wird es Recep Tayyip Erdoğan.«
»Ich wünsche, wer besser ist, möge gewinnen. Egal ist, welche. Hauptsache, es geht der türkischen Partei geht es gut.«
»Ich habe keine Hoffnung. Sage ich dir ganz offen. In Sydney wurden 700 Stimmzettel gefunden, die bereits für die AKP ausgefüllt waren. Das kann überall passieren. Zweitens: Wenn du die Wahlen sicher machen willst, dann stell doch eine Kamera dahin und mach eine Livesendung, damit alle es sehen. Bring drei Leute aus verschiedenen Parteien. Stell sie da auf und sag: OK, ihr bleibt ständig hier und wechselt euch immer wieder ab. Aber warum machen die das nicht? Denn du willst eigentlich klauen.«
»Ich weiß nicht. Ich glaube, wenn CHP die Wahlstimmen nicht aus den Augen verliert, dann glaube ich, können sie gewinnen. Ich hoffe, das machen sie.«
»Ich denke, die AKP wird wieder gewinnen. Das ist meine Meinung. Denn sie haben die ganze Macht. Sie haben sich sehr gut organisiert, denke ich. Stellen Sie es sich doch vor. Sie stehen an der Macht und natürlich verfügen Sie über die ganze Macht. CHP hat weder finanziell noch materiell dieselben Möglichkeiten.«
Seit heute Morgen kommen die ersten Stimmen aus dem Ausland in Istanbul an. Am späten Abend des 14. Mai wird wohl feststehen, wer die Türkei in Zukunft regieren wird.