TV-Duell Aufstand der Kleinen
Berlin - FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper warnte die großen Parteien davor, beim Wähler den Eindruck erwecken zu wollen, er könne nach US-Muster den Regierungschef wählen. Sie forderte die Beteiligung des Vorsitzenden und Spitzenkandidaten der FDP, Guido Westerwelle, an den geplanten TV-Duellen zwischen Schröder und Stoiber. Die Zuspitzung der Wahlentscheidung auf zwei Personen täusche jedoch Möglichkeiten vor, die der Wähler tatsächlich nicht habe. Damit werde der Bürger betrogen.
Pieper ließ offen, gegen wen Westerwelle antreten solle. Sie sagte aber, der Spitzenkandidat der Liberalen gehöre in solche Spitzenrunden. Zuvor hatte der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto, vor einer Bevorzugung des Kanzlers und des bayerischen Ministerpräsidenten gewarnt. In der Vergangenheit sei das Verfassungsgebot der Chancengleichheit konsequent beachtet worden.
Joschka Fischer als Spitzenkandidat der Grünen sagte, eine Debatte zwischen Schröder und Stoiber gehöre in erster Linie ins Parlament. Wie Pieper verwies auch Fischer auf das Grundgesetz. Der Außenminister stellte jedoch klar, dass er sich nicht als übergangener Dritter fühlen würde. Er unterstrich jedoch, dass er nicht an einen reinen Zweikampf zwischen SPD und Union glaube, da die kleinen Parteien die Wahl entscheiden würden. Eine absolute Mehrheit einer der beiden großen Parteien sei nicht in Sicht.
Bosbach bremst die Stoiber-Euphorie
Die meisten Deutschen setzen unterdessen nur begrenzt auf die Wirtschaftskompetenz Stoibers. Nach einer Umfrage des Infratest dimap-Instituts erwarten nur rund 30 Prozent der Befragten, dass es Stoiber gelingen könnte, das Erfolgsmodell Bayern mit seinen guten Wirtschaftsdaten und einer niedrigen Arbeitslosenquote auf die gesamte Bundesrepublik umzusetzen.
Der Vizevorsitzende der Union im Bundestag, Wolfgang Bosbach, gab im WDR zu, dass das Umfragehoch mit 40 Prozent für die Union gegenüber 38 Prozent für die SPD nicht dauerhaft sein werde. Er sagte, nach der Entscheidung für die Kanzlerkandidatur Stoibers gebe es "eine Euphorie bei den Mitgliedern und Freunden der Partei, aber es wird auch wieder etwas weniger werden an Begeisterung".