Ukraine: Nein zur Flugverbotszone! - Kolumne - DER SPIEGEL
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Markus Feldenkirchen

meinung •Der gesunde Menschenverstand Nein zur Flugverbotszone!

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Wer dem Drängen nach einer Nato-Luftüberwachung nachgibt, ebnet den Weg in den dritten Weltkrieg. Es gibt eine Verantwortung, die über die Ukraine hinausreicht. Sie umfasst die gesamte Menschheit.
• aus DER SPIEGEL 12/2022

Der ukrainische Präsident, Wolodymyr Selenskyj kämpft dieser Tage wie ein Löwe für sein Land. Er macht das brillant. Eines Tages, wenn die brutale russische Invasion überstanden ist, wird sein Denkmal auf dem Maidan in Kiew stehen. Da bin ich mir sicher.

Präsident Selenskyi bei seiner Ansprache zu den Abgeordneten des Deutschen Bundestags

Präsident Selenskyi bei seiner Ansprache zu den Abgeordneten des Deutschen Bundestags

Foto: Christian Thiel / IMAGO

Zu diesem Kampf für sein Volk gehört auch die immer neue Forderung nach einer Flugverbotszone über der Ukraine. Und ganz ehrlich: Wäre ich Präsident der Ukraine oder ihr Botschafter in Deutschland oder einfach nur ein ukrainischer Familienvater, der Angst um seine Liebsten hat, ich würde sie auch stellen. Zur Not zehn Mal am Tag.

Die Forderung ist nicht nur verständlich, sie ist auch geschickt. Flugverbotszone klingt irgendwie harmlos, nach blauem Himmel, nach Vogelgezwitscher. Übersetzt heißt die Forderung aber: Liebe Nato, schickt endlich eure Soldaten in den Kampf, werdet Teil dieses Krieges! Denn genau das bedeutet die Einrichtung einer Flugverbotszone: Alle russischen Kampfjets, Helikopter und Drohnen in der Ukraine müssten zerstört werden, ebenso Luftabwehrstellungen in Belarus oder Russland selbst, die eine Flugverbotszone gefährden würden. Schon wäre die Nato im Gefecht mit Russland.

»Ist das zu viel verlangt?«, fragt Selenskyj den Westen. Es klingt wie eine rhetorische Frage. Dabei ist es völlig legitim, ja geboten, zu antworten: »Ja, das ist zu viel verlangt.« Es ist hart, so zu antworten, es zerreißt einem das Herz und führt einen an die Grenzen der eigenen Moral. Zuzuschauen, wie die Ukrainer sterben, ist schlimm. Aber aktiv einzugreifen, ist um einiges schlimmer. Weil dies die Lage bis hin zum Atomkrieg eskalieren könnte.

Bei manchen wie Springer-Chef Matthias Döpfner zeigt das Drängen der Ukrainer bereits Wirkung – und entfacht eine gewisse Lust, selbst in den Krieg zu ziehen, zumindest rhetorisch.

Die Frage ist nur, wie lange der westliche Konsens, diese Forderung der Ukraine zu ignorieren, noch anhält. Ab wann fällt auch das letzte Tabu, wonach kein Nato-Staat aktiv in diesen Krieg eingreift? Bei manchen wie Springer-Chef Matthias Döpfner zeigt das Drängen der Ukrainer bereits Wirkung – und entfacht eine gewisse Lust, selbst in den Krieg zu ziehen, zumindest rhetorisch. »Sie müssen JETZT ihre Truppen und Waffen dahin bewegen, wo unsere Werte und unsere Zukunft NOCH verteidigt werden«, feuerte Döpfner die Nato vom eigenen Schreibtisch aus an.

Hinter dieser Lust an der Eskalation verbirgt sich eine Gesinnungsethik, die man bislang eher bei den Grünen finden konnte. Einen Dringlichkeitsrausch, einen missionarischen Eifer nach dem Motto: Entweder wir schaffen JETZT die Welt, wie sie uns gefällt. Oder sie geht halt unter! Immer wenn man sich mit einer Sache allzu gemein macht, und sei es mit einer guten, leidet die Analysefähigkeit. Es fehlt dann der kühle Kopf.

So hart es auch sein mag: Es gibt eine Verantwortung, die über die Ukraine hinausreicht. Sie umfasst die gesamte Menschheit. Und der wäre mit einer Ausweitung des Krieges zu einem Flächenbrand nicht geholfen.

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