Umfrage SPD wittert Morgenluft
Mainz - "Die Ausgangslage ist ordentlich", meinte Franz Müntefering in Berlin. Laut ZDF-Politbarometer hat die SPD im Verlauf der Flutkatastrophe in der Wählergunst deutlich zugelegt. In der politischen Stimmung liegt die SPD mit 40 Prozent der Stimmen (plus drei Prozentpunkte) nun sogar leicht vor der Union (39 Prozent/minus vier Punkte). Die Grünen erreichen wieder acht Prozent, die FDP verbesserte sich auf zehn Prozent (plus ein Punkt). In Ostdeutschland kommt die SPD sogar auf 41 Prozent, während die Union dort nur noch 33 Prozent erreicht.
In der "Sonntagsfrage", in der längerfristige Grundüberzeugungen und taktische Überlegungen berücksichtigt werden, kommen die Sozialdemokraten auf 38 Prozent der Stimmen (plus zwei Prozentpunkte). Die Union fiel hingegen auf 39 Prozent zurück (minus zwei Punkte). Grüne und FDP erhalten unverändert sieben beziehungsweise neun Prozent der Wählerstimmen. Rot-Grün kommt damit zusammen auf 45 Prozent der Stimmen, während auf Union und FDP zusammen 48 Prozent entfallen, teilte das ZDF am Freitag mit.
Die PDS muss mit vier Prozent weiter um den Einzug in den Bundestag bangen. Ihr Wiedereinzug hinge davon ab, ob sie mindestens drei Direktmandate gewinnen kann. Nur für den Fall, dass die PDS scheitert, hätte Schwarz-Gelb noch eine knappe parlamentarische Mehrheit.
Wie nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA kann Kanzler Gerhard Schröder in der Hochwasserkrise auch in seinen persönlichen Werten zulegen. Er baute seinen Vorsprung bei der "Kanzlerfrage" auf 55 Prozent aus (Vorwoche 52 Prozent). Herausforderer Edmund Stoiber kommt nur noch auf 36 Prozent, drei Prozent weniger als vor einer Woche. Mit 19 Prozentpunkten ist dies der größte Abstand seit der Nominierung Stoibers zum Kanzlerkandidaten der Union Anfang des Jahres.
Die Hochwasserkatastrophe hat laut Politbarometer dazu geführt, dass sich die Deutschen wieder stärker hinter die Bundesregierung stellen: War die Zufriedenheit mit der Arbeit der Regierung in der vergangenen Woche mit -0,2 (auf der -5 bis +5 Skala) noch leicht negativ, so erreicht sie jetzt den Wert von +0,3 und wird nur noch unwesentlich schlechter beurteilt als die Arbeit der Union, die unverändert auf +0,4 kommt. Auf große Zustimmung trifft der Beschluss der Regierung, zur Finanzierung der Hochwasserschäden die geplante Steuerreform um ein Jahr zu verschieben: 59 Prozent unterstützen dies, 29 Prozent sind dagegen.
Auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker konnte Kanzler Schröder wieder auf Platz zwei vorrücken. Auf der Skala von +5 bis -5 erreichte er den Wert 1,7 (Vorwoche 1,3) und verwies damit Lothar Späth, den Schatten-Wirtschaftsminister in Stoibers Kabinett, mit 1,5 (1,6) auf Platz drei. Angeführt wird die Liste weiterhin von Außenminister Joschka Fischer (Grüne), der sich im Vergleich zur Vorwoche auf 2,1 verbesserte (1,8).
Bereits am Vortage hatte eine Umfrage im Auftrag des "Bericht aus Berlin" ähnliche Ergebnisse gebracht. Infratest dimap hatte mitgeteilt, dass nach einer ersten Teilauswertung 55 Prozent der Befragten in Situationen wie jetzt Schröder als den besseren Krisenmanager sehen und lediglich 22 Prozent den Unionskandidaten Stoiber. Den schnellen Wiederaufbau der zerstörten Regionen trauen 34 Prozent am ehesten der SPD und nur 27 Prozent der Union zu.