Union K-Frage wird zur F-Frage
Berlin/München - Laut "Welt am Sonntag" wolle Stoiber mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspolitik "die Union zusammenschweißen". Merkel dagegen arbeite an einer Strategie unter dem Motto "Eine Frau muss Kanzler werden". So könnte die K-Frage für die Union zur F-Frage werden, also zur Frage, ob die Union tatsächlich mit einer Frau an der Spitze gegen Kanzler Schröder antreten will. Der CDU-Chefin war am Wochenende der Rücken von einer der prominentesten CDU-Politikerinnen gestärkt worden. Rita Süssmuth hatte der "Bild"-Zeitung am Samstag gesagt, die Zeit sei seit langem reif für die Kanzlerkandidatur einer Frau. Die frühere Bundestagspräsidentin betonte: "Frau Merkel hat die Kompetenz. Sie hat in schwierigster parteipolitischer Situation ihre Führungsqualitäten unter Beweis gestellt."
Stoiber versuchte derweil in der "WamS" Befürchtungen seiner Partei zu entkräften, durch eine Kanzlerkandidatur könne die Landespolitik vernachlässigt werden. Er sagte: "Die Kandidatur von Franz Josef Strauß 1980 hat Bayern nicht geschadet."
Die Entscheidung, welcher der beiden Spitzenpolitiker gegen Gerhard Schröder antreten wird, könnte möglicherweise schon Anfang Januar fallen. Eine Kampfabstimmung soll vermieden werden, gilt aber weiter als möglich. Stoiber hatte in der "Passauer Neuen Presse" am Samstag auf eine Vereinbarung mit Merkel verwiesen, "dass wir unseren Parteien einen gemeinsamen Vorschlag zum Thema Kanzlerkandidat machen. Bleibt es dabei, und davon gehe ich aus, stellt sich die Frage einer Kampfabstimmung nicht." Merkel hatte gegenüber dem SPIEGEL gesagt: "Edmund Stoiber und ich machen Anfang des Jahres einen Vorschlag." Zugleich erklärte sie, die deutsche Gesellschaft sei "im Grundsatz" reif für eine Kanzlerin. "Ich möchte am Ende des Jahres 2001 nicht am Ende meines politischen Weges sein."
Nach dem Bericht der "Welt am Sonntag" wächst der Druck auf die CDU-Vorsitzende, ihrem bayerischen Kollegen in der K-Frage den Vortritt zu lassen. Um Weihnachten hätten erneut mehrere CDU-Landeschefs telefonisch versucht, auf Merkel in diesem Sinne einzuwirken.
Nach Medienberichten hat Stoiber bereits mehrere CDU-Ministerpräsidenten wissen lassen, dass er zur Kandidatur bereit sei, wenn sie ihm von der CDU-Spitze angetragen würde. Merkel würde es demnach auch auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen, falls Stoiber antreten will.