Unionsfraktion: Kohl ist wieder da - DER SPIEGEL
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Unionsfraktion Kohl ist wieder da

Zehn Monate lang hat er keine Fraktionssitzung mehr besucht. Nun hat Altkanzler Helmut Kohl wieder an einer Sitzung teilgenommen. Am Montagabend betrat er durch einen Seiteneingang den Saal im Reichstag.
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Berlin - Die meisten Abgeordneten sahen in der Teilnahme Kohls ein "Zeichen der Normalität". Der stellvertretende Fraktionschef Wolfgang Bosbach wie auch ein Großteil der Fraktion hoffe nun, dass wieder mehr Ruhe einkehre.

Der Ex-Kanzler, der 25 Jahre an der CDU-Spitze stand, wurde von einigen Abgeordneten per Handschlag begrüßt, vereinzelt gab es auch Beifall. Der CDU-Politiker strahlte, sagte aber nichts. Ein Teilnehmer der Sitzung sagte, durch das gewaltige Medieninteresse sei der Auftritt Kohls nach außen ein "großes Ereignis" gewesen, nach innen aber wie immer. Kohl verließ die Sitzung kurz vor dem Ende. Auf die Frage, ob er zufrieden gewesen sei, meinte er: "Ja, natürlich!"

Die Rückkehr in die Fraktion war offenbar länger geplant. Ein Treffen mit Fraktionschef Merz vor zwei Wochen ebnete den Weg. Merz hatte Kohl "gebeten", wieder an den Sitzungen teilzunehmen, und erhofft sich davon ebenfalls wieder mehr Ruhe. Merkel begrüßte die Entscheidung Kohls und sieht darin ebenfalls eine Normalisierung. Allerdings blieb sie bei ihrer bisherigen Linie: Die Leistungen von Kohl werde die Partei weiterhin hervorheben.

In den vergangenen Wochen hatte es heftige Debatten um die Rolle des Altkanzlers bei den Feiern zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit gegeben. Kohl hatte seine Teilnahme am offiziellen Festakt in Dresden abgesagt, nachdem er nicht als Redner vorgesehen wurde. Nach einem Gespräch mit Merkel erklärte er sich schließlich bereit, zusammen mit ihr am 1. Oktober auf einer CDU-Veranstaltung zu reden.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse stellte hingegen klar, mit Kohl kehre nicht ein normaler Abgeordneter, sondern ein ehemaliger Bundeskanzler, der noch immer das Gesetz verletzte, in die Parlamentsarbeit zurück.