US-Vertreter Murphy Botschafter in peinlicher Mission
US-Botschafter Murphy: Ein kluger, charmanter Mann
Foto: TOBIAS SCHWARZ/ REUTERSBerlin - Er ist der Mann, dessen Name hinter vielen seiner Botschaft steht: .
Der 53-Jährige ist der höchste Repräsentant der Vereinigten Staaten in Deutschland. Und in diesen Tagen bemüht, den Schaden, den die Veröffentlichungen der Geheimdokumente durch verursachte, wenigstens zu begrenzen. "Ich will nichts kleinreden, wir arbeiten hart daran, Vertrauen wieder aufzubauen", sagt der US-Botschafter.
Da steht Murphy vor einer großen Herausforderung. Die Depeschen der US-Botschaft in Berlin, die nach Washington gingen, lassen kein gutes Haar am deutschen Spitzenpersonal. Offen und ehrlich geben sie einen Einblick in das Denken von Murphys Diplomaten, vor allem Außenminister Guido kommt dabei schlecht weg. Der FDP-Politiker sei ein "Rätsel", habe eine "überschäumende Persönlichkeit", sei aggressiv, heißt es. Außerdem zeigen die Depeschen, dass die Diplomaten von Quellen aus Parteien mit internen Einschätzungen versorgt wurden. Inzwischen steht fest, wer Informationen lieferte. Es war Helmut Metzner, Westerwelles Büroleiter, der den Amerikanern über die Koalitionsverhandlungen berichtete. Metzner wurde deshalb schon seines Postens enthoben.
Murphy kennt sich in Deutschland aus
Murphy, seit 15 Monaten im Amt, will nun schleunigst Vertrauen zurückgewinnen. Er gibt bereitwillig Interviews, er startet eine Charme-Offensive bei Berliner Politikern. Dabei versucht er einen Spagat: Einerseits verteidigt er die Arbeit seiner Diplomaten. Andererseits gesteht er zu, dass ein erheblicher Schaden entstanden sei. Ein Mann in peinlicher Mission.
Diese Woche eröffnete er das Chanukka-Fest am Brandenburger Tor, in Sichtweite seiner Botschaft. Die Öffentlichkeit erlebt wie immer einen charmanten, klugen Mann, er spricht fließend Deutsch. Murphy, der kein gelernter Diplomat ist, sondern Wirtschaftswissenschaftler und Investmentbanker, pflegt einen offenen, unkomplizierten Stil. Der Vater von vier Kindern lädt regelmäßig zu Runden in seine Residenz in Dahlem ein, er bereist das Land, besucht Schulen, spricht mit Jugendlichen. Er kennt sich aus im Lande, er hat vor seiner Tätigkeit in Berlin bereits einige Jahre in Frankfurt am Main als Banker gearbeitet.
Murphy will verhindern, dass durch die Veröffentlichungen das deutsch-amerikanische Verhältnis dauerhaft belastet wird. Doch der Unmut über die Amerikaner ist bei so manchem deutschen Politiker groß. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) spricht aus, was viele Spitzenpolitiker in Berlin denken: "Es wird mit Sicherheit dazu führen, dass man sehr viel genauer überlegt, bei wem man wie offen spricht."
"Die USA müssen sich das überlegen"
Noch deutlicher wird ein anderer FDP-Mann. Der Verkehrspolitiker Patrick Döring, der neuer Bundesschatzmeister der FDP werden soll, forderte in den "Passauer Neue Presse" Konsequenzen. Es sei nicht sinnvoll, wenn Botschafter Murphy und die übrigen beteiligten Personen weiter in der Berliner US-Botschaft tätig blieben und die deutsche Politik beobachteten und kommentierten. "Die USA müssen sich überlegen, ob mit einem Personal, das offenbar gezielt Kontakte in Parteien gesucht hat, noch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist", sagt Döring zu SPIEGEL ONLINE.
Ähnlich argumentiert der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann: "Das Verhalten von Herrn Murphy ist ungehörig. Wenn das einem deutschen Botschafter passiert wäre, dann hätte man ihn abberufen. So ein Botschafter muss nach Hause geholt werden", sagte er "Bild". Vor allem störe ihn, dass sich Murphy bisher nicht entschuldigt hat.
Immer gute Miene machen in peinlicher Lage, das ist nun Murphys tägliches Geschäft. Wie er dabei vorgeht, war in diesen Tagen in Rheinland-Pfalz zu beobachten. Dort traf er SPD-Ministerpräsident Kurt Beck zum Gespräch. Über Beck gibt es in den US-Geheimberichten manche Spitzen, er spreche kein Englisch und scheine die USA "nicht als wirtschaftliches, soziales oder politisches Vorbild zu betrachten".
Bei ihrem Treffen überspielten Beck und Murphy diese Peinlichkeit. Die Beziehungen beider Länder seien "viel stärker von Taten denn von Worten abhängig", sagte Beck. Und Murphy erklärte, die Beziehungen seien zwar noch nicht vollständig wieder auf normalen Stand: "Wir bewegen uns aber sehr schnell dahin."
Es klang wie ein Stoßgebet.