Verblüffender Start Meyer schießt gegen eigene Parteispitze
Berlin - Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte am Dienstag in der Bundesgeschäftsstelle ihren neuen Generalsekretär gerade mit warmen Worten vorgestellt, da preschte der Mann aus Nordrhein-Westfalen auch schon vor.
Doch die erste Attacke des Neuen galt nicht der Regierung, sondern war zur allgemeinen Verblüffung eher ein Hieb gegen die eigene Parteispitze. Vielleicht sei es gar nicht so schlecht, dass einer, der aus einem Landesverband kommt, nun Generalsekretär wird, sinnierte der gebräunte 52-Jährige in seiner ersten öffentlichen Erklärung als neuer Parteimanager. Er kenne schließlich die "Stimmung an der Basis". Die wolle durchaus die Debatte über Inhalte. "Es muss aber nicht sein, dass an der Spitze alle durcheinander reden."
Auch der erste aus der Hüfte geschossene vermeintliche Gag des designierten CDU-Generalsekretärs ging gründlich daneben: Eigentlich hätte er ja eine viel stärkere Position als sein Vorgänger Ruprecht Polenz, sagte er. Denn einen zweiten Missgriff könne sich ja Angela Merkel nicht leisten. Der Parteichefin entglitten kurz die Gesichtszüge, dann zischte sie dazwischen: "Polenz war kein Missgriff." Und Meyer musste sich vor laufenden Kameras entschuldigen. "Das war ein misslungener Scherz - mein Freund Polenz war kein Missgriff." Doch obwohl alle lachten, blieb eine gewisse Kritik an Merkels Entscheidung für Polenz vor sechs Monaten haften.
Überall war der noch amtierende Landtagsvizepräsident von Nordrhein-Westfalen gelobt worden, als Merkel ihn zum Nachfolger des glücklosen Ruprecht Polenz benannte. Vor allem die Präsidiumsmitglieder und der Fraktionsvorstand waren begeistert, dass dem zurückhaltenden Polenz nun ein echter Angreifer folgt. Der verheiratete Vater von vier Kindern bediente im Stile eines Medienprofis auch diese Vorschusslorbeeren. Er verstünde es, "statt des Floretts auch mit dem Säbel fechten", verkündete er selbstbewusst. Wenn die anderen Parteien dies wollten, würden die das schon kriegen.
Die Union selbst müsse in der Wirtschafts- und Sozialpolitik ihre Kompetenz wieder steigern. Sie müsse eine klare Sprache sprechen, um die Bürger zu erreichen. Und die Partei-Spitze müsse sich darauf besinnen, erst miteinander zu sprechen, ehe man sich an die Presse wende. Es gebe da ein altes Mittel, dessen man sich bedienen sollte: das Telefon!
Merkel hat mit Laurenz Meyer einen Politiker zum Generalsekretär gemacht, der sich anders als Polenz künftig selbst ein größeres Gewicht verschaffen könnte. Natürlich versicherte er seine Loyalität. Er werde alles tun, um Merkel zu helfen. Auch die Zusammenarbeit mit der Fraktion, wo in der Vergangenheit manches im Argen lag, will er verbessern. Schließlich sei er mit Fraktionschef Friedrich Merz befreundet. Er präsentierte sich aber auch als ein Mann, der den Generals-Job nicht nötig hat. Er könne auch jederzeit wieder in seinen Beruf zurückkehren, betonte der ehemalige Hauptabteilungsleiter der Vereinigten Elektrizitätswerke (VEW), einer der größten deutschen Stromproduzenten.