Verhandlung um Anti-Terror-Paket: Schily läuft die Zeit davon - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Verhandlung um Anti-Terror-Paket Schily läuft die Zeit davon

Vor dem geplanten Abflug Otto Schilys nach Asien streiten SPD und Grüne nach wie vor über das zweite Sicherheitspaket des Ministers. Weiter ärgert sich der kleine Koalitionspartner vor allem über die geplante Machtausweitung des Bundeskriminalamtes.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der Innenminister schließt bisher aus, dass er den Bundeskanzler nicht wie geplant auf seiner Reise nach Asien begleitet. Die Maschine mit Schily und Schröder soll nach Angaben des Bundespresseamtes am Samstagabend um 23.15 Uhr starten. So wächst der Druck auf die Verhandlungspartner der Koalition, die laufenden Verhandlungen über das Sicherheitspaket II und die Neuregelung der Zuwanderung zügig abzuschließen

Nachdem die Gespräche am Freitag nach einem elfstündigen Verhandlungsmarathon abgebrochen worden waren, wurde das Spitzengespräch der Koalitionspartner am Samstagmorgen in Berlin fortgesetzt. SPD und Grüne verhandeln seit Donnerstag mit Schily. Der Minister hatte am frühen Samstag in einem TV-Interview an die Grünen appelliert: "Wir müssen zu Ende kommen, und das erfordert von allen Seiten viel Disziplin."

Union warnt Schily vor Kompromissen

Schily und Vertreter der Grünen bewerteten die bisherigen Beratungen widersprüchlich. Schily sagte, offene Fragen gebe es nur noch beim Zuwanderungsgesetz. Dagegen habe man sich beim Sicherheitspaket II fast geeinigt. Schily betonte erneut, die Grünen müssten bei den Verhandlungen beachten, dass das neue Gesetzeswerk auch die Zustimmung des Bundesrates bedürfe. SPD und Grüne haben in der Länderkammer keine eigene Mehrheit und sind auf die Zustimmung der Union angewiesen. Diese hatte Schily mehrfach vor Zugeständnissen an den Koalitionspartner gewarnt.

Die Grünen sehen dagegen noch bei beiden Punkten Diskussionsbedarf. Die Fraktionschefin Kerstin Müller sagte, strittig seien weiter die Pläne für verdachtsunabhängige Ermittlungen des Bundeskriminalamtes (BKA) sowie die Frage der Aufnahme des Fingerabdruckes in Pass und Personalausweis. Die Verhandlungen hätten sich insgesamt schwieriger gestaltet als erwartet. Der Grünen-Rechtsexperte Volker Beck verlangte, es müsse klargestellt werden, dass das BKA nicht ohne Verdacht ermitteln darf.

Schilys Zugeständnisse nicht ausreichend?

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat Schily für die umstrittenen Befugnisse des BKA einen neuen Vorschlag vorgelegt. Dieser sei aber lediglich umformuliert worden und sehe nach wie vor Ermittlungen der Behörde ohne Anfangsverdacht vor. Konkret wolle der Minister die Zentralstellenfunktion des BKA stärken und ihr umfassende Auskunftsansprüche einräumen. So soll sie Personen befragen und von allen öffentlichen Behörden Akteneinsicht verlangen dürfen. Schily hatte nach den Verhandlungen am Samstag bekräftigt, dass er keine so genannte Initiativermittlungskompetenz des BKA wolle.