Vetternwirtschaft: Clement unter Verdacht - DER SPIEGEL
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Vetternwirtschaft Clement unter Verdacht

Pünktlich zum Wahlkampf gerät Wolfgang Clement unter Verdacht: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident soll der PR-Agentur eines alten Freundes Aufträge vermittelt haben. Der Regierungschef ist empört und weist die Vorwürfe von sich.
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Düsseldorf - Clement (SPD) hat einen Bericht von "Focus", in dem ihm eine "Filzaffäre" vorgeworfen wird, scharf zurückgewiesen. Das Münchner Magazin berichtet, seit dem Amtsantritt des Ministerpräsidenten im Mai 1998 hätten die PR-Agenturen seines Hamburger Freundes Christian Langer von Tochtergesellschaften des Landes NRW Aufträge von über zehn Millionen Mark erhalten. Dazu erklärte Regierungssprecher Klaus Klenke am Freitag in Düsseldorf, Clement sei an keiner einzigen Auftragsvergabe an Langer oder seine Firmen beteiligt gewesen.

Laut "Focus" hatten die PR-Agenturen Langers - die Hamburger Firmen "Noventa" und "Corporate Publishing" - millionenschwere Werbeaufträge von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, der Düsseldorfer Messe und der Projekt Ruhr GmbH erhalten. An allen drei Gesellschaften ist das Land NRW beteiligt. "Clement öffnete seinem alten Freund in Düsseldorf die Türen", schreibt "Focus".

Clement wies die Kumpanei-Vorwürfe zurück. Alles sei "frei erfunden" und "entbehre jeder Grundlage". Klenke erklärte, richtig sei, dass Langer den Ministerpräsidenten im Wahlkampf "unentgeltlich" berate. Klenke versicherte, es gebe kein Auftragsverhältnis zwischen einem NRW-Ministerium und Langer.

Nach Darstellung von Klenke hat Langer im vergangenen Jahr die Wettbewerbsausschreibung der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung "Standortmarketing Nordrhein-Westfalen" mit einem Auftragsvolumen von rund drei Millionen Mark gewonnen. Diesen Auftrag teile er sich aber mit acht weiteren Agenturen, wobei auf Langer ein Honorarumsatz von etwa 450.000 Mark entfalle.

Ferner habe Langers Firma "Corporate Publishing" bei der Düsseldorfer Messegesellschaft 1997/98 eine Ausschreibung um die Herstellung des Messemagazins gewonnen, das vier Mal jährlich erschienen sei. Clement aber habe zu keinem Zeitpunkt dem Aufsichtsrat oder einem anderen Organ der Messe angehört. Von der Projekt Ruhr GmbH, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Clement sei, hat Langer "gemeinsam mit vielen anderen Agenturen" einen befristeten Projektauftrag zur Vorbereitung der Öffentlichkeitsarbeit bekommen, sagte Langer.