Pannen-Drohne Bundeswehr bastelt weiter an "Euro Hawk"-Technik
Drohne "Euro Hawk": Aufklärungssystem könnte nicht weiter nutzbar sein
Foto: Wolfgang Kumm/ dpaBerlin - Das Bundesverteidigungsministerium zögert bei der Entscheidung, wie es mit der für mehrere hundert Millionen Euro entwickelten Aufklärungstechnik der Pannen-Drohne "Euro Hawk" weiter gehen soll. Staatssekretär Stéphane Beemelmans berichtete am Mittwochmorgen vor dem Verteidigungsausschuss, das Ministerium brauche für ein Votum, wie es weiter gehen soll, noch mehrere Monate.
Seit Monaten prüft die Bundeswehr bereits, ob die für das im Mai 2013 jäh abgestürzte Drohnenprojekt entwickelte Aufklärungstechnik, im Fachjargon "Isis" genannt, noch für die Truppe nutzbar ist oder nicht.
Die Prüfung kann durchaus gravierende Folgen haben: Stellt sich heraus, dass die Bundeswehr die entwickelten Sensoren zum Absaugen von elektronischen Signalen wie Mobilfunkgespräche nicht gebrauchen kann, wären neben dem bereits in den Sand gesetzten Budget für die Drohne von 320 Millionen Euro weitere 280 Millionen für die Entwicklung der Aufklärungstechnik verloren.
Die Verschiebung zeigt, wie schwer sich die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei dem Thema tut, das ihren Vorgänger fast das Amt gekostet hätte. Ursprünglich war angekündigt worden, über die Zukunft von "Isis" zu befinden, dann wurde die Frist bis Ende des ersten Quartals 2014 verlängert. Mit der aktuellen Aussage des Ministeriums bleibt offen, wann entschieden werden soll.
Suche nach alternativem Träger
Technisch gesehen war die Entwicklung des "Euro Hawks" ein zweiteiliges Projekt. Zum einen wurde auf der Basis der US-Drohne "Global Hawk" ein fliegender Träger in Zusammenarbeit mit der US-Industrie entwickelt. Parallel arbeiteten die Techniker an dem Überwachungssystem "Isis", das in die Drohne eingebaut werden soll. Insgesamt beliefen sich die Projektkosten auf rund 1,2 Milliarden Euro.
Die ursprünglich geplante Anschaffung der Drohne hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Mai 2013 gestoppt, da die Zulassung der Drohnen für den deutschen Luftraum völlig aus dem Ruder lief, damals war von möglichen Extrakosten von 600 Millionen Euro die Rede. Die Industrie hatte diese Zahlen immer bestritten, bis heute prüft die Bundeswehr rechtliche Schritte wegen des Projekts.
Die jetzige Suche nach einem alternativen Träger für die "Isis"-Technik verlief erwartungsgemäß ernüchternd. Schon vor dem Aus der "Euro Hawk"-Drohne hatten Experten analysiert, dass sich die Technik nicht am Stück in marktverfügbare israelische Drohnen vom Typ "Heron" einbauen lässt. Die Installation in einen bemannten Airbus 319 hätte die Vorteile einer unbemannten Drohne zunichte gemacht.
Comeback für die Mega-Drohne?
Obwohl all dies schon seit mehr als einem Jahr bekannt ist, will die Bundeswehr offenkundig weiter an dem Projekt herumdoktern. Geprüft wurde zum Beispiel, ob man unabhängig von der entwickelten "Isis"-Technik schlicht eine marktverfügbare Überwachungsdrohne anschafft. Mittlerweile steht fest, dass dies den Kostenrahmen durch die Nichtanschaffung der "Euro Hawk"-Drohne weit übersteigt.
Die Lage ist so verfahren, dass es in der Truppe Überlegungen gibt, die Entwicklung der "Euro Hawk"-Drohne doch wieder aufzunehmen oder ein sehr ähnliches, in den USA bereits zugelassenes Modell als neuen Träger für die "Isis"-Technik einzukaufen. Die Mega-Drohne, fast so groß wie ein Passagier-Jet, könnte also vor einem denkwürdigen Comeback stehen - diese Mal unter der Führung von Ursula von der Leyen.
Für die Neue im Ministerium jedoch dürfte das Projekt wenig gefährlich werden - auch wenn sich die millionenschwere Entwicklung der "Isis"-Technik am Ende als zweiter "Euro Hawk"-Flop entpuppt. Schon zu Amtsantritt kam recht klar heraus, dass sich von der Leyen strauchelnde Rüstungsvorhaben, die nicht in ihrer Zeit begonnen worden sind, keinesfalls zu Eigen machen will.