Wahlkampf SPD-Spitzen attackieren Grüne
Berlin - Die Grünen seien folglich mitschuldig am schlechten Abschneiden der Sozialdemokraten, sagte Gabriel der "Welt am Sonntag". "Die Grünen haben den Hang, Investitionsmaßnahmen, Planungsmaßnahmen und Innovationsmaßnahmen mit einer überbordenden Bürokratie zu befrachten, die uns daran gehindert hat, Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen und zu sichern."
Auch unternähmen die Grünen immer wieder "den fehlerhaften Versuch, eine völlig risikofreie Gesellschaft herbeizaubern" zu wollen. "Ich nenne nur das Thema Gentechnologie. Auf diese Weise verlieren wir wichtige Bestandteile im Innovationsprozess und im globalen Wettbewerb." Auf die Frage, ob die SPD zu stark auf die Grünen zugegangen sei, antwortete er: "Sie war zu stark auf die Grünen angewiesen."
Ähnlich äußerte sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende bedauerte, dass seine Partei auf Bundesebene auf die Grünen als Koalitionspartner angewiesen sei. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte er: "Unter den gegebenen Umständen sehe ich kaum eine andere Konstellation als Rot-Grün - ich bin ja Realist. Aber ich bedaure, dass es so ist." Allerdings könne er sich auch im Bund andere Koalitionen als die mit den Grünen vorstellen.
Auch Beck übte heftige Kritik an den Grünen. Er habe mehrfach erlebt, dass getroffene Vereinbarungen von ihnen nicht eingehalten würden: "Den Grünen fehlt bisweilen die Verlässlichkeit."
Den einstigen Grünen-Bundestagsabgeordneten und Finanzpolitiker Oswald Metzger griff Beck persönlich an: "Nehmen wir zum Beispiel diesen Herrn Metzger. Der führt sich auf wie der kastrierte Kater, der über die Liebe spricht: Er kann es zwar nicht mehr, aber er will jedem erklären, wie es geht. Mit solchen Leuten haben wir nichts zu tun."
Widersprüchliche Signale kamen zum Ende der Woche vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. In einem Interview mit dem DeutschlandRadio Kultur machte er seinen Standpunkt gegenüber den Grünen klar: Er sei dafür, das Bündnis fortzusetzen. Dennoch sei es "eine Frage taktischer Klugheit", dass beide Parteien auf Distanz gingen und ihre parteipolitischen Positionen unabhängig voneinander beschrieben.