Wahlkampf Wirtschaft attackiert Schröder
Berlin - "Die Wirtschaftsverbände fühlen sich der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet und die Gewerkschaften offensichtlich dem Wahlsieg der SPD", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ludolf von Wartenberg. Er bezeichnete Schröders Äußerungen als Wahlkampfgeplänkel. Auch Handwerks-Präsident Dieter Philipp kritisierte den Kanzler und warf ihm angesichts der Zahl der Arbeitslosen vor, seine Arbeit nicht richtig gemacht zu haben. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt erklärte, die Verbände verhielten sich parteipolitisch neutral, aber nicht unpolitisch.
Schröder hatte zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase der SPD am Montag in Hannover an die Unternehmen gerichtet gesagt: "Mein Appell an die deutsche Wirtschaft: Spielt Euch nicht als fünfte Kolonne der Opposition auf, sondern sorgt für die Ausbildungsplätze in euren Betrieben." Zugleich forderte er von Spitzenmanagern eine neue Moral, die sich nicht nach dem US-Vorbild vorrangig an millionen- und milliardenschwere Abfindungen orientiere.
"Hätte der Bundeskanzler seinen Job richtig erledigt, gäbe es jetzt genug Arbeitsplätze", sagte Handwerks-Präsident Philipp Reuters. Das Handwerk mache seine Hausaufgaben, und auch 2002 würden voraussichtlich so viele Lehrstellen wie im Vorjahr zur Verfügung stehen. "Wer der Wirtschaft unterstellt, Wahlkampf auf dem Rücken unserer Jugend zu betreiben, handelt wider besseres Wissen", sagte Philipp.
Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) hat nach den Worten ihres Präsidenten Hundt Konzepte für eine bessere Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik vorgelegt, da die Bundesregierung in diesen Bereichen die falsche Politik betrieben habe. "Statt parteipolitischer persönlicher Polemik sollte sich die SPD mit diesen Konzepten auseinander setzen", kritisierte Hundt.
Mittelstand: Gewerkschaften als fünfte Kolonne hinter Schröder
Die Aktionsgemeinschaft Wirtschaftlicher Mittelstand (AWM) sieht Schröders Vorwurf als primitivste Stimmungsmache und Rückkehr in den Klassenkampf. Schröder selbst habe vielmehr eine fünfte Kolonne hinter sich, da die Gewerkschaften mit einer finanzstarken Kampagne erneut die SPD unterstützen wollten, sagte AWM-Vize-Präsident Konrad Löcherbach.
Den Unternehmen, die in den vergangenen Jahren Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen hätten, Verantwortungslosigkeit und Raffgier vorzuwerfen, wie es Schröder in seiner Rede getan habe, ziele voll daneben, sagte ASU-Chef Max Schön. "Wir Unternehmer sind auch keine 'fünfte Kolonne' irgendeiner Partei, sondern sind nur für einen da: Für unseren Kunden, denen wir unsere Produkte und Dienstleistungen anbieten", fügte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) hinzu.