Wahlkampfhilfe: Kohl stützt Koch - DER SPIEGEL
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Wahlkampfhilfe Kohl stützt Koch

Erst Schröder und Fischer, jetzt Helmut Kohl. Wenige Tage vor den Abstimmungen in Hessen und Niedersachsen hat sich der Altkanzler in den Wahlkampf eingeschaltet. In der Jugendgewaltdebatte bescheinigte er Roland Koch "Mut und Stehvermögen".
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Berlin - Die Wahlergebnisse in Hessen und Niedersachsen sind richtungsweisend für die Zukunft der Großen Koalition - und ein Parteigrande nach dem anderen meldet sich als Wahlkämpfer zurück. In der Diskussion um Jugendkriminalität hat sich nun auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl ausdrücklich hinter Hessens Ministerpräsidenten Koch gestellt. Der "Bild"-Zeitung sagte Kohl, Koch zeige in der Debatte "Mut und Stehvermögen. Er gehört zu den Menschen, die dem Zeitgeist nicht hinterherlaufen. Er traut sich, für seine Überzeugungen einzustehen. Davor habe ich Respekt."

Die "zunehmende Ausländerkriminalität" lasse sich "nicht eindämmen, indem man sie tabuisiert", so Kohl weiter. "Wenn wir das tun, nehmen sich die Rechtsradikalen der Sache an. Das darf keinesfalls geschehen."

In anderen Fällen stecke hinter Überfällen "die Wut des Zu-kurz- Gekommenen gegen den Bessergestellten. Das rechtfertigt aber in keiner Weise die Anwendung von Gewalt. Ich halte es auch für ein Verhängnis, wenn Gewalt vorschnell mit der sozialen Herkunft entschuldigt wird." Friedliches Verhalten könne man von jedem Bürger erwarten. Kohl betonte: "Das gilt für Deutsche wie für Ausländer in unserem Land."

Warnung vor Linksruck in Hessen

Zu den Wahlumfragen, die Koch und seine sozialdemokratische Herausforderin Andrea Ypsilanti fast gleichauf sehen, sagte Kohl, seiner Meinung nach habe Koch "gute Chancen, die Wahl zu gewinnen". Die "Bürgerinnen und Bürger" wüssten um seine "Verdienste".

Kohl traut der SPD in Hessen zu, auch entgegen der Aussagen vor der Wahl mit den Linken zusammen zu gehen. "Ich denke, die hessischen Sozialdemokraten werden das von der konkreten Situation nach Schließung der Wahllokale abhängig machen. Wenn eine Koalition mit den Linken für sie nützlich ist, werden sie das ohne Skrupel tun", sagte er in dem Interview. Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit habe der SPD das ja vorgemacht.

Vor Helmut Kohl hatte bereits SPD-Altkanzler Gerhard Schröder für seine Parteigenossen Wahlkampfhilfe geleistet: in der ersten Januarwoche griff Schröder Koch und Kanzlerin Angela Merkel an: "Offenkundig sind beide auf dem rechten Auge blind", sagte er in Bezug auf deren Forderungen nach härteren Strafen für kriminelle Jugendliche. "Das ist eine Wahlkampfhetze, für die Herr Koch bekannt ist."

Für die Grünen legt sich Ex-Vizekanzler Joschka Fischer ins Zeug: Er will heute Abend in Wiesbaden bei einer Grünen-Wahlveranstaltung als Redner auftreten. Wegen des enormen Zuschauerandrangs musste die Landespartei bereits die Veranstaltung in den größten Saal des Wiesbadener Kurhauses verlegen. Die aktuellen Umfragen signalisieren Stimmenverluste für die Grünen bei der Hessenwahl. Die Demoskopen sehen die Umweltpartei derzeit bei sieben bis acht Prozent.

amz/dpa/AFP/AP