Walter Döring: Ein Mann will nach oben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Walter Döring Ein Mann will nach oben

Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister in Baden-Württemberg will es wissen. Zunächst am 25. März. Da will er mit seiner Partei ein zweistelliges Ergebnis einfahren. Aber für Döring gibt es auch eine Zeit nach Baden-Württemberg.
Von Kristina Jagemann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"2006 Bundeswirtschaftsminister? Warum nicht?", fragt Walter Döring draufgängerisch. Und kassiert gleich einen warnenden Blick seines Sprechers. "Das kann man doch mal sagen", verteidigt er sich mit einem entschuldigenden Lächeln.

1996 kamen die Liberalen in Baden-Württemberg auf stolze 9,5 Prozent. Für 2001 sieht es nicht schlecht aus, die Liberalen liegen derzeit genauso wie ihr Konkurrent, die Grünen, in Umfragen bei zehn Prozent.

Der Optimismus der baden-württembergischen FDP kennt deshalb derzeit keine Grenzen. Ihr ausgeprägtes Ziel ist, das eigene Gewicht in der Koalition mit der CDU zu stärken. "40 plus 10 sind die Mehrheit", errechnete FDP-Fraktionschef Ernst Pfister vor kurzem. Und setzte kühn noch einen drauf: "38 plus 12 aber auch." Der neben Pfister sitzende Landeschef schmunzelte in sich hinein.

Seit 1988 ist Döring Mitglied des Landtags. Der promovierte Anglist, der als Gymnasiallehrer von 1982 bis 1985 in den Fächern Englisch und Geschichte unterrichtete, ließ sich 1995 als erster Abgeordneter des Landtags von Baden-Württemberg freiwillig "entbeamten" und verzichtete damit auf sämtliche amtliche Rechte und Privilegien. Ihn zog es in die Politik und zur FDP: Dort hat er es zum Mitglied des Bundespräsidiums gebracht und ist seit 1999 stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei.

Doch der Weg des 1954 in Stuttgart geborenen Dörings bis dahin war steinig: Als er 1985 Landesvorsitzender wurde, bemühte sich Döring um Popularität und Profil. Sein Selbstdarstellungsdrang führte manchmal zu Spannungen mit der Fraktion. 1988 machte er im Zuge der Landtagswahlen eine klare Koalitionsaussage zu Gunsten der CDU. Doch das fand nicht unbedingt die Zustimmung der Wähler. Die Liberalen fuhren mit 5,9 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis ein. Döring trat daraufhin vom Landesvorsitz zurück. Das Ergebnis für die Partei bei den Wahlen 1992 war nicht besser. Döring, der bis dahin als Fraktionsvorsitzender fungierte, kandidierte 1994 erneut für den Landesvorsitz und wurde prompt bestätigt. 1996 bekam die FDP mit 9,6 Prozent ein "Traumergebnis". Döring wurde vollmundig als "Siegertyp" gepriesen, von dem man "noch einiges hören wird".

Der heute 46-jährige Döring sieht sein Glück darin, dass "Politik Beruf, Leidenschaft und Hobby zugleich ist". Als er sich 1998 bei einem Hubschrauberabsturz schwer verletzte, dauerte es nicht lange, und er kehrte auf die politische Bühne zurück. Dort agiert er so locker, dass es seinen Kollegen mitunter zu bunt wird und er schon mal zu hören bekommt, er führe sich auf "wie ein Gockel". Das kümmert ihn offenbar nicht weiter, aber als "der Jürgen Möllemann von Baden-Württemberg" will er sich nicht verstanden wissen. Auf solche Vergleiche reagiert er säuerlich: "Das würde ich als grobe Beleidigung auffassen".

Nichtsdestotrotz ist Döring die unumstrittene Nummer eins der FDP in Baden-Württemberg und hat auch ein gehöriges Mitspracherecht in der Bundes-FDP. Zum noch zu besetzenden FDP-Generalsekretärsposten, sagt Döring, das sei Aufgabe des Bundesvorsitzenden, aber er sei der Ansicht, dass diese Frage "langsam zu klären ist". Zugleich gibt er Guido Westerwelle einen Vorschlag mit: Die Silvana Koch-Mehrin gefalle ihm für den Posten.

Döring hat sich klar für eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU in Baden-Württemberg ausgesprochen. Mit der SPD ginge es auf keinen Fall. Nicht einmal rüberblinzeln sei erlaubt, weil die Wählerschaft, so Döring, "knüppelhart auf liberal-bürgerlich ausgerichtet ist".

Auch von einer Ampel-Koalition will man im liberalen Lager nichts wissen. Für solche "rot-grünen Wunschträume" stehe man nicht zur Verfügung, versicherte die Parteiführung. Man wolle die "erfolgreichste Landesregierung" auch nach dem 25. März fortsetzen.

Den vor Selbstbewusstein strotzenden Liberalen behagt es, dass die großen Parteien einen Koalitionspartner im "Ländle" brauchen und dass die FDP von SPD und CDU gleichermaßen umworben wird.

Vielleicht wird Döring Beweglichkeit zeigen, wenn am Wahlabend alles anders kommen sollte. Denn regieren, sagt Döring aus voller Überzeugung, "ist einfach schöner".