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Werbung Schröders bester Kamerad

Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf ist auf den Hund gekommen: Als Designerin entwirft sie Accessoires für Vierbeiner. Selbst Freunde der Familie Schröder sind irritiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Mit ihren ehemaligen Kollegen mag die gelernte Journalistin Doris Schröder-Köpf nicht gern reden. Zu häufig haben die sich nach der Haarfarbe ihres Gatten Gerd erkundigt oder über angebliche Liebschaften spekuliert.

Seit sie im Sommer das russische Waisenkind Victoria adoptierten, sind die Schröders privat erst recht zugeknöpft. Vorsorglich erwirkten sie vor Gericht einstweilige Verfügungen, um Fotografen davon abzuhalten, den Familienzuwachs abzulichten. Bei einem anderen Familienmitglied sind Kanzlers weniger zimperlich: Ihr Hund, der einjährige Borderterrier "Holly", wirbt seit neuestem für zahlreiche Produkte der Drogeriekette Rossmann. Sein Konterfei schmückt zum Beispiel einen Adventskalender, hinter dessen Türchen sich 24 Leckereien für die Vierbeiner verbergen.

Auch im Internet hat Holly schon einen Platz: Zwischen "Genießer Snacks für Katzen mit Huhn und Truthahn" und "Hygiene Streu, antibakteriell, besonders saugstark" guckt er einen treuherzig an - wie ein als Hund verkleideter Nikolaus. "Machen Sie Ihrem besten Kameraden und sich selbst die Freude", wirbt die Website - für 4,99 Euro ("Nur solange der Vorrat reicht").

Dass der dort abgelichtete Hund der Vierbeiner des Bundeskanzlers ist, erfährt der Internetsurfer nicht. Aber im Rossmann-Kundenmagazin "Centaur" wird umso umfassender über die neuesten Aktivitäten der Kanzlergattin berichtet - inklusive Interview und Foto.

Sie habe sich oft geärgert, dass viele Hunde-Artikel "in Minutenschnelle zerlegt waren", wenn sie in Hollys Reichweite kamen, berichtet Doris Schröder-Köpf dort. Außerdem sähen die meisten der im Laden feilgebotenen Stücke "einfach nicht schön aus." Sie habe zum Beispiel lange überlegt "wie für mich der perfekte Hundekorb eigentlich beschaffen sein müsste" - beißfest müsse er sein und trotzdem "ästhetisch ansprechend."

Da sie schon häufiger bei Rossmann eingekauft habe, sei ihr die Idee gekommen, den Besitzer der Drogeriekette direkt anzusprechen - und der war, so dessen Sprecher Josef Lange, "begeistert", als ihn der Anruf ereilte. Ein Jahr und 44 Holly-Artikel später fand auch die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ), Schröders Hausblatt, am vergangenen Freitag die Sache so spektakulär, dass sie sie auf ihrer Titelseite präsentierte.

Die Hundenummer ist nicht der erste PR-Auftritt für Rossmann (Jahresumsatz: 1,47 Milliarden Euro, 10.000 Mitarbeiter), an dem sich das Haus Schröder beteiligt. Der quirlige Unternehmer, dessen Zentrale in Burgwedel in der Nähe von Hannover liegt, kennt den SPD-Politiker schon lange. In den 90ern ließ sich Schröder - damals noch Ministerpräsident - mit einer Sonnencreme von Rossmann vor einer gerade neu eröffneten Ladenzeile in Hannover ablichten.

Im August 2002 mitten im Wahlkampf reiste der Bundeskanzler sogar nach Landsberg in Sachsen-Anhalt, um mit überschwänglichen Worten ("Eine Erfolgsgeschichte") das neue Logistik-Center der Handelskette zu eröffnen: "Gerade in Krisenzeiten braucht man gewisse Leuchttürme." Da war die Flut gerade vorbei und die nahe gelegene Elbe schon wieder in ihrem Bett.

Im Berliner Kanzleramt wird die neue Nebentätigkeit der Schröder-Gattin mit betretenem Schweigen kommentiert. Man ahnt schon die Schlagzeilen: "Doris auf den Hund gekommen." Und man leugnet jede Beteiligung: Es handele sich nicht um einen "offiziellen Vorgang".

Ein bisschen peinlich aber finden selbst Wohlmeinende, dass die - sonst so strikt auf ihre Privatheit bedachte Ehefrau - nun öffentlich mit ihrem Terrier Reklame macht. Vielleicht habe sie ein bisschen Langeweile oder fühle sich nicht ausgelastet. Immerhin sei es besser, so heißt es diskret, sie entwirft Hundekalender, als sich in die Politik einzumischen.

Schröder-Köpf selbst findet die Aktion, wie sie Freunden sagt, völlig in Ordnung. Die Sache diene einem guten Zweck, immerhin fließen 50 Cent von jedem verkauften Adventskalender auf ein Sonderkonto "Tiere in Not". Sie selbst, sagt Sprecher Lange, bekomme keinen Cent dafür.

Für Rossmann hingegen scheint sich die Sache zu lohnen: In einigen Filialen seien die Kalender bereits ausverkauft, meldete das Unternehmen Ende vergangener Woche. Doris Schröder-Köpf hatte an der Berichterstattung bis dahin nichts auszusetzen. Befragt, ob die Berichte zuträfen, bestätigte sie alles. Nur ein Detail sei falsch: Der Adventskalender mit Hollys Bild sei - anders als berichtet - "keine einmalige Aktion".

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