Weyrauch: Die Front bröckelt - DER SPIEGEL
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Weyrauch Die Front bröckelt

Die Erklärung von Horst Weyrauch sorgte am Montag für weiteren Wirbel im politischen Berlin. Noch ist die ganze Wahrheit nicht auf dem Tisch, aber es wird deutlich: Die alten Seilschaften reißen.
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Je stärker der öffentliche Druck wird und je mehr Wahrheit ans Licht drängt, umso stärker stehen die alte Seilschaften der CDU unter Spannung. Mit Horst Weyrauch hat sich nun auch eine der letzten schweigsamen Figuren aus dem Finanz-Schach der CDU zu Wort gemeldet. Noch tragen seine Äußerungen nicht zur Klärung bei. Noch stehen Aussagen gegen Aussagen. Aber eines wird deutlich. Die Mauer des Schweigens hält die Akteure nicht mehr zusammen. Langsam machen sie sich Sorgen um ihre eigene Haut. Sie zeigen mit dem Finger auf andere: Ich war's nicht, der war's. Das ist das sicherste Zeichen dafür, dass man der Wahrheit näher kommt. Weyrauch agiert geschickt. Der Mann will nicht den Sündenbock spielen und eröffnet neue Schauplätze: Er widerspricht Zahlenangaben des hessischen CDU-Chefs Roland Koch ebenso wie der Aussage des ehemaligen Bundesschatzmeisters Walther Leisler Kiep, die schwarzer Kassen seien erst nach dessen Amtszeit eingerichtet worden.

Die CDU ist in der Klemme. Sie kann nur noch reagieren, statt zu agieren. Sie ist selbstverschuldet in der Hand windiger Gesellen, die jede Woche mit neuen Versionen und Drohungen die Partei zu neuen Nachforschungen und Rechtfertigungen zwingt. Die CDU ist Spielball bisher unüberprüfbarer Varianten dieser Geschichte geworden. Deshalb verlangt sie nach eidesstattlichen Erklärungen, um die Akteure im Zweifelsfall auf ihre Geschichten festlegen zu können. Aber wenn die selbst ernannten Aufklärer der CDU diesen Maßstab auch an sich selbst anlegen würden, dürfte Wolfgang Schäuble längst nicht mehr ihr Vorsitzender sein. Zu ungeschickt und unglaubwürdig war sein Lavieren bei der Frage nach den 100.000 Mark, die er von Schreiber erhalten hat.

Und in Berlin werden bereits neue Zweifel laut an der bisherigen Darstellung von Schäuble. Angeblich soll die Schatzmeisterin Baumeister intern bereits Schäubles Version widersprochen haben. Sollte sie das auch vor dem Untersuchungsausschuss tun, wäre es das Ende von Schäuble.

Weyrauch gilt als Schlüsselfigur in der Affäre. Und dieser Weyrauch bringt nun auch einen neuen Ton in die Geschichte. Im Grunde nennt er Kiep einen Lügner, wenn dieser behaupte, zu seiner Zeit habe es kein Schwarzgeld gegeben. Die Verbindungen zwischen den alten Strippenziehern stehen unter Spannung und reißen. Damit ist noch nicht die ganze Wahrheit auf den Tisch. Aber die Chance zur Aufklärung steigt. Es wird deutlich, und das ist auch eine Botschaft an Helmut Kohl: Die Wahrheit lässt sich nicht aufhalten.