Wolfgang Gerhardt Der Mann ohne Profil
Berlin - Wolfgang Gerhardt, der 1995 als Nachfolger von Klaus Kinkel FDP-Vorsitzender wurde, ist kein Mann programmatischer Vorstöße oder spektakulärer, medienwirksamer Auftritte.
Nach seinem Amtsantritt führte er die zeitweilig tief zerrissene Partei wieder in ruhigere Fahrwasser. Zuvor schon hatte der als wirtschaftsliberal geltende Gerhardt 1982 die hessische FDP aus einer schweren Krise zu anhaltenden Erfolgen bei Landtagswahlen geführt.
Schwierig wurde für Gerhardt die Lage nach dem Machtverlust im Bund 1998. Im selben Jahr übernahm er auch den Vorsitz der FDP-Bundestagsfraktion. Dem Partei- und Fraktionsvorsitzenden, der an Silvester seinen 57. Geburtstag feierte, wurden eine Reihe spektakulärer Wahlniederlagen angelastet. Erst die Erfolge bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stabilisierten die Lage der Partei und ihres Vorsitzenden.
Seither hat sich aber auch der Überraschungssieger von Düsseldorf, Jürgen Möllemann, als heftiger Gerhardt-Kritiker profiliert und ihn aufgefordert, die Doppelspitze aufzugeben. Im Streit mit seiner Nachfolgerin in Wiesbaden, der hessischen Landesvorsitzenden Ruth Wagner, konnte sich Gerhardt nicht durchsetzen. Entgegen dem Drängen der Bundesspitze hielt die Landespartei an einer Koalition mit Ministerpräsident Roland Koch fest, der in den CDU-Spendenskandal geraten war. In der Bundespolitik wollte die Kritik an den Führungsqualitäten Gerhardts nicht abreißen. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki etwa hielt ihm den "Luxus der Unbekanntheit" vor.