Wrocklage: Der starrköpfige "Sparkommissar" - DER SPIEGEL
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Wrocklage Der starrköpfige "Sparkommissar"

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Hamburg - Hartmuth Wrocklage gilt als prinzipientreuer, bisweilen starrköpfiger SPD-Politiker mit ausgeprägtem Rechtsempfinden: Der Hamburger Senator hielt es knapp sieben Jahren auf dem Schleudersitz an der Spitze der Innenenbehörde aus und widerstand so mancher Rücktrittsforderung. Der 61-Jährige war damit einer der dienstältesten deutschen Innenminister und am längsten amtierenden Senatoren in der Hansestadt.

In seiner von Pleiten, Pech und Pannen begleiteten Amtszeit machte sich der SPD-Politiker als "Sparkommissar" auf dem heiklen Feld der Inneren Sicherheit wenig Freunde. Kritiker warfen ihm seine Sturheit und einen unsensiblen Umgang mit den Ängsten der Bevölkerung vor. Immer wieder betonte er, die Sicherheitslage in Hamburg sei "objektiv gesehen" gut.

Seine Genossen hatten Wrocklage 1994 auf den von den Sozialdemokraten ungeliebten Posten des Innensenators gehievt, nachdem sein Vorgänger Werner Hackmann über den "Hamburger Polizeiskandal" um "Kumpanei" unter den Ordnungshütern und angebliche Misshandlung von Ausländern gestürzt war. Wrocklage gilt als ausgewiesener Finanz- und Verwaltungsfachmann: Von 1994 hatte er als Staatsrat das schwierige Feld der Hamburger Finanzen beackert.

Er ging technokratisch - mit immer genauester Kenntnis der Aktenlage - daran, die Polizei zu modernisieren. Wrocklage hält sich zu Gute, Hamburg habe inzwischen die "modernste Großstadtpolizei" Deutschlands. Dazu fasste er verschiedenen Dienststellen in Kommissariaten zusammen, vernetzte die Polizei mit dem Computersystem Comvor und ließ ein neues Polizeipräsidum bauen.

Dabei unterliefen ihm aber auch einige Fehler: So brachten seine Experten Comvor erst nach etwa achtjähriger Planung und Investitionen von angeblich 90 Millionen Mark zum Laufen. 1996 musste Wrocklage seinen ersten Polizeipräsidenten Arved Samek nach nur zehn Monaten wegen Unfähigkeit entlassen. 1998 verursachte Wrocklage mit seinem Dienstwagen einen Unfall und beging Fahrerflucht.

Der Innensenator stand häufig unter Beschuss, ohne dass er den ganz großen Skandal verursacht hätte. Heftige Kritik erntete er vor allem aus den Reihen der Polizei. Er hielt eisern den ihm vorgegebenen Sparkurs durch und baute in den vergangenen Jahren Hunderte von Planstellen bei der Polizei ab. Aus der Polizeiführung wurde schließlich Kritik laut, nur höhere Beamte mit SPD-Parteibuch hätten Karrierechancen.

Die Gewerkschaft der Polizei kehrte ihm anfang des Monats endgültig den Rücken und kündigte das mit dem Senator eingegangene "Bündnis für Sicherheit" auf. Gleichzeitig überwarf Wrocklage sich mit den Hamburger Zeitungen. Nach heftiger Presseschelte versuchte er per Unterlassungserklärungen Berichte über angebliche Parteibuchwirtschaft bei der Polizei zu unterbinden.

Von Jörg Fischer, dpa