CDU NIEDERSACHSEN Echte Partner
Wir haben«, so freute sich der Feiner Rechtsanwalt Richard Langeheine, »ein gewisses Leben in die Bude gebracht.«
Die Bude ist die niedersächsische CDU, das gewisse Leben hauchte ihr - nach langen Jahren der Kraftlosigkeit - der versprengte Haufen der ehemaligen Deutschen Partei ein. Drei Jahre nach der DP-Liquidation und dem Übertritt ihrer Minister und Abgeordneten zur CDU müssen in Hannover die Christdemokraten mit den Welfen heulen.
Seit dieser Zeit eroberte
- der DP-Mann Hans-Christoph Seebohm den Vorsitz des CDU-Landesverbands Hannover;
- der DP-Mann Richard Langeheine
den Vorsitz der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag;
- der DP-Mann Werner Schönfelder
das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden.
Die DP-Leute haben damit praktisch die Macht in der Niedersachsen-CDU übernommen: Mit Hannover hält Seebohm den stärksten der drei Landesverbände und damit das Gros der Mitglieder in der Hand, mit der Fraktion verfügt Langeheine über die einzige Partei-Instanz, die sich auf ganz Niedersachsen erstreckt.
Zugleich okkupierten Seebohm und Langeheine zwei der vier Führungsplätze in der CDU-Landesleitung, der ihr Oberhaupt, der Goslarer Baustoffhändler und Präsident der Industrie - und Handelskammer Braunschweig, Dr. Otto Fricke (Spitzname: »Kaiser Otto"),
bisher nur wenig Impulse verliehen hat.
Fricke vorletzte Woche auf dem CDU -Landesverbandstag Hannover: »Bei uns gibt es keine innere Unruhe, keine Diadochenkämpfe, sondern allein eine kameradschaftliche Haltung.« Ex-DP -Mann Langeheine: »Man hat uns eben als echte Partner aufgenommen.«
Zu derart ausgeprägter Partnerschaft hatte es die Fricke-CDU, der an den 425 000 niedersächsischen DP-Stimmen gelegen war, allerdings nie kommen lassen wollen. Doch war die Stimmenrechnung falsch: Statt 43,2 Prozent der Stimmen, die CDU und DP bei der Landtagswahl 1959 insgesamt bekommen hatten, erfochten sie - nach der Verschmelzung - vier Jahre später nur 37,7 Prozent und mußten abermals auf die Oppositionsbank retirieren.
Bei der DP-Liquidation hatte Langeheine resigniert: »Wir wollen keine Posten, sondern unsere politische Arbeit fortsetzen.«
Die Bescheidenheit war überflüssig. Außer Arbeit fanden die DP-Anhänger in der führerlosen CDU auch Posten. Nach seiner Bestellung zum Fraktionschef nahm Langeheine Anfang dieses Jahres nun auch die Lenkung des CDU -Karrens straff in die Hand.
Statt des matten Präsidenten Fricke war es der kernige Oppositionschef Langeheine, der die niedersächsischen Christdemokraten in unverbrauchtem DP-Reitergeist an feuerte, endlich dynamischer zu werden.
Erstes Resultat: Auf Antrag der Langeheine-Fraktion soll der Landtag bei jeder Gelegenheit, die sich nur bietet, zu einer »aktuellen Stunde« zusammengerufen werden und die SPD FDP -Regierung zu Auskünften über dringliche Themen ermuntern. Langeheine selbstbewußt: Warten Sie mal ab.
Die spontane Aktivität seines früheren Kampfgefährten hat unterdes sogar den DP-Gründer und Ex-Ministerpräsidenten Heinrich Hellwege angerührt, der sein politisches Dasein derzeit noch immer als simples CDU-Mitglied fristet: Der behäbige Welfe wäre nicht mehr abgeneigt, das DP-Führungselement in der CDU zu komplettieren und im Herbst - neben sechs anderen DP -Getreuen in Niedersachsen - für den Bundestag zu kandidieren. Hellwege vorletzte Woche: »Vor Gott ist kein Ding unmöglich.«
CDU-Funktionär Langeheine
Leben in der Bude