Ehe
Bundeskanzler Konrad Adenauer betätigt sich seit kurzem auch in innenpolitischer Partei-Taktik. Er will die Wiederholung des 1949er CDU/FDP/DP-Wahlerfolges im nächsten Jahr sichern. Die niedersächsischen Vorsitzenden von DP und FDP, Bundesminister Hellwege und Abg. Artur Stegner, haben seit einem Jahr in hitziger Haßliebe mit stets gleichbleibendem Mißerfolg zu unternehmen versucht, was jetzt auch Adenauer anstrebt: die Fusion von DP und FDP zur »Freien Deutschen Partei«. +
Des Kanzlers nächster Schritt soll, nach geglücktem ersten, die Verpflichtung der neuen »Freien Deutschen Partei« und der CDU sein, bei der Bundestagswahl 1953 nirgendwo gegeneinander zu kandidieren, sondern in jedem Wahlkreis nur jeweils einen Kandiaten von der einen oder der anderen Partei aufzustellen. +
Gegen diese Wahl - Zweckehe mit der CDU wendet die FDP-Gruppe Stegner ein: Die CDU-Kandidaten katholischer Gegenden würden eine Menge FDP-Wähler zur SPD vertreiben, und FDP-Kandidaten würden die Stimmen katholischer Minderheiten nur dem Zentrum zuführen. Ein erstarktes Zentrum aber wäre genau der Koalitionspartner, den die SPD, die allein niemals wird regieren können, braucht.