EIN KOMPLIMENT
(Nr. 35/1969, Streit um Panorama")
Zu dieser Sendung hatte die CDU/CSU zwar ihre erste Garnitur von Politikern gesandt, aber trotzdem gelang es den Fernseh-Journalisten mühelos aufzuzeigen, was der Grund der Proteste gegen die Panorama-Sendung vom 11. August war. Beschneidung der Meinungsfreiheit. Hamburg OTTO REIMERS
Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem jeder vor Entrüstung zittern müßte über die Zustände in der Tschechoslowakei, möchte man versuchen, die freie Meinungsäußerung in der Sendung des Herrn Merseburger mundtot zu machen? Das ist nachgerade empörend.
Fribourg (Schweiz) HERTHA EHRLICH
Traurig ist nur, wir haben zu wenig Leute wie Herrn Merseburger. Bravo auch den beiden Kollegen.
Tiefenbach (Bayern) PETER C. BLEY
Es geht mir nicht darum, das Verhalten der Apo zu rechtfertigen, aber was
* v. l.: Kraske, Rasner, Wagner.
man in dieser Sendung von »christlicher« Seite hörte, war wirklich hanebüchen. »Christlich« war allein der Eindruck, daß »Gott« Franz Josef Strauß in Herrn Rasner einen wirklich streitbaren Erzengel zu haben scheint.
Kornwestheim (Bad.-Württ.)
THOMAS TOMASCHÜTZ
Kritik mag für die Betroffenen immer unangenehm sein. Wie man darauf reagiert, darin zeigen sich allerdings Wertschätzung des Meinungsgegners und Taktgefühl. Herr Merseburger und seine Mitarbeiter sollen ihre Arbeit so weiterführen wie bisher. Sie sind es den denkenden Menschen in unserem Staat schuldig.
Musberg (Bad.-Württ.)
JÜRGEN J. AICHROTH
Man möchte Herrn Strauß doch empfehlen, für die Sendezeit von »Panorama« sein Alpenvölkchen mit »Ein Platz für Tiere« oder Jagdszenen in Niederbayern (Studentenrevolte in München) zu unterhalten. Weidmannsheil für den Dummenfang am 28. September.
Bremen BRIGITTE BERG
Die CDU/CSU-Wahltaktik, potentielle NPD-Wähler von der Überflüssigkeit der NPD zu überzeugen, erfordert Mitdenken. Strauß ist"s gelungen: Fragte das NPD-Organ »Deutsche Nachrichten« am 19. Juli 1968 »Teufel, Langhans und wie sie sonst heißen mögen, haben sich ... wie die Affen benommen. Warum behandelt man sie nicht so?«, so gibt Strauß nun die Gewißheit (und Sicherheit für die 70er Jahre): »Eine kleine Zahl von Außergesetzlichen benimmt sich wie Tiere, auf die die Anwendung der für Menschen gemachten Gesetze nicht möglich ist.« Eine Frage blieb offen: Wie behandelt man denn nun die Tiere?
Berlin JÜRGEN BURKHARDT
Ich danke Ihnen für Ihren entlarvenden Artikel über die Fernseh-Manipulationsversuche der CDU/CSU. Für eine Partei zu stimmen, die objektive Berichterstattung zu fürchten hat, ist für mich als Demokraten vollkommen indiskutabel.
Wülfrath (Nrdrh.-Westf.)
PAUL K. BEHRENS
Kampf des Politikers ums Mandat? Wie soll das der schlichte Wähler noch verstehen!
Mainz JÖRG-DIETER SÜSS
Wie kläglich können doch Politiker sein, wie billig ihre Argumente. Ein Glück, daß es diese zeitkritische Sendung gibt. Wie lange aber noch?
Kempten (Bayern) HELMUT VALENTIN
Der Zorn der CDU/CSU über die einseitige Berichterstattung Merseburgers in »Panorama« ist verständlich, konnte sich die Christenunion« die bei so regierungserhaltenden Blättern wie »Bayernkurier«, »Rheinische Post«, »Bild« und »Die Welt« über genug publizistische Rückendeckung verfügt, doch bislang nicht in die bundesdeutschen Sendeanstalten einschleichen. Brackwede (Nrdrh.-Westf.)
HANS-JOACHIM HEUEL
Halten wir den drei Unionspolitikern ihren schweren Stand zugute: die Verteidigung und Beschönigung eines weder zu beschönigenden noch zu rechtfertigenden Strauß-Wortes.., Ich will nur hoffen, daß möglichst vielen Zuschauern durch diese Selbstdarstellung der CDU die Augen rechtzeitig, das heißt vor der Wahl, geöffnet worden sind.
Münster ANNETTE BREMICKER
Der bayrische CDU-Landtagsabgeordnete im schleswig-holsteinischen Parlament, Dr. Gottfried Wolff, 1967 zu »Tötet Springer«-Parolen: Bei Hakenkreuz oder »Tötet die Juden« würde die Polizei (Zitat:) »sofort Sonderbefehle bekommen, diese NS-Schurken zu fassen«. Wenn ich den gesenkten Kopf von Herrn Gaus am Ende der Fernsehdiskussion um die »Panorama«-Sendung so deuten darf, kann man bei »Tier«-Strauß in dieser Richtung kaum Erfolg erwarten. Ich habe mir nach bester linker Art erlaubt, den rechten Dr. Wolff nicht vollständig zu zitieren. Für Interessierte die Quelle: »Pinneberger Tageblatt« vom 8. November 1967.
Rellingen (Schl.-Holst.) ERNST OELTING
Von Ihnen vorbereitet, schaltete ich am 27. August den Fernseher ein. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht. Am allerwenigsten von den Unionschristen« die meine Erwartungen voll erfüllten. Sie verlangten fast unverblümt, guter Journalismus muß so sein, daß die »demokratische Union« immer mit weißem Hemd dastehe. Braune Tupfen natürlich übertüncht.
Nesselwang (Bayern)
SEBASTIAN KNAPICH JUN.
Wenn die Herren Merseburger, Gaus und Dr. Heigert nicht wollten, daß sie »unsaubere« Journalisten -- wenigstens aber nicht Befürworter einer »trüben« Journalistik -- seien, wenn sie also »sauber« bleiben wollten, dann hätten sie (und das wäre doch so einfach gewesen> nur sagen sollen: »Sie haben recht, Herr Rasner. Wir haben uns dumm, arrogant, frech und schmutzig gegenüber einigen leitenden Herren der CDU/CSU (und Ihnen -- natürlich!) benommen: Wir waren Ferkel!«
Und was taten dagegen diese drei Journalisten: Sie zeigten keine Spur von Einsicht und Reue (und noch nicht einmal Furcht)! Hier, wo es -- nach der sprachlichen Diktion des Herrn Rasner zu urteilen -- hier, wo es nur eine Alternative gab: Geständnis und Rückkehr zur »Sauberkeit« (Rasner: wollen Sie ...! sonst ...!), hier wollten die Herren Journalisten (man stelle sich diese Unverschämtheit vor), hier wollten sie mit den CDU/CSU-Vertretern über das Recht zur eigenen Meinung diskutieren, obgleich sie wissen mußten, daß dieses Recht zur eigenen Meinung -- mindestens hier -- nur der CDU/CSU zustand.
Hamburg GERHARD DEGNER
Es scheint so, als seien Sie wirklich die einzige Opposition in der BRD, die unserer Bundesregierung seit Jahren verhältnismäßig ungeschoren die Wahrheit sagen darf. Hiervon nehme ich die Aktion betreffs den »Abgrund von Landesverrat« natürlich aus.
Hamburg URSULA ALSCHER
In Bayern sitzt Minister Strauß und regt sich furchtbar auf: Akten flogen zum Fenster raus; Das nimmt er nicht in Kauft Er redet wütend, spricht von Tieren, jedoch er sagt nicht: Welche; Man kann da vieles kombinieren: Ochsen, Schweine, Eiche.
Ich lind die Sache nicht so tragisch: In einer schwachen Stunde -- mit kleinen Vorbehalten sag' ich -- meinte er vielleicht Hunde? Die sind meist wachsam, bellen gern. Das wäre dann »des Pudels Kern": Weil ja die Menschen, die heut hier sind, mitunter schlimmer als ein Tier sind, ist's, wenn er sie so nennt, wohl eher ein Kompliment!
Berlin WALTER NICKELSBURG