Erhellend und beängstigend
Nr. 30/2009, Generationenkonflikt: SPIEGEL-Streitgespräch zwischen den Nachwuchspolitikern Franziska Drohsel (SPD) und Jens Spahn (CDU)
Es ist schon beeindruckend, dass eine Vorsitzende der Jusos sich derart obrigkeitshörig an die große Gruppe der Rentnerwähler anbiedert, anstatt die Interessen ihrer Generation zu vertreten. Imponierend dagegen ihr Kollege von der CDU. Sich in einer Partei, die ihre einzig verbliebene überdurchschnittlich signifikante Wählergruppe aus der Generation 60 plus rekrutiert - und in der das Prinzip des »nach oben Buckelns« traditionell der Karriere förderlicher ist als eigene Meinung und Profil -, derart offen und entschieden gegen die Beschlüsse der Parteispitze zu stellen zeugt von Format.
ROSTOCK JOHANNES PETERS
Ihr Streitgespräch ist erhellend und beängstigend zugleich. Es ist erschütternd zu lesen, wie Herr Spahn als Bundestagsmitglied über ein so komplexes Thema völlig sorglos ohne Einsichten in wirtschaftliche Zusammenhänge schwadroniert. Die Produktivität ist ausreichend, um alle benötigten Güter und Dienstleistungen durch einen kleinen Teil der Bevölkerung bereitstellen zu können. Weshalb das trotzdem heute nicht funktioniert und für die Zukunft als unlösbares Problem bei Herrn Spahn ankommt, hat Frau Drohsel überzeugend auf den Punkt gebracht: Der gesellschaftliche Reichtum muss gerechter verteilt werden, dann sind auch die künftigen Rentenprobleme lösbar, ebenso wie die gravierenden Probleme der Ausbildung unserer Jugend.
DRESDEN PROF. DR. BERND JUNGHANS
An den Antworten von Frau Drohsel wurde deutlich, dass sie bis jetzt nur gelernt hat, als SPD-Mitglied parteilich zu reden. Sie war total inkompetent bei dem Thema.
OBRIGHEIM (RHLD.-PF.) LOTHAR NICKEL
Warum nicht »politischen Willen« (Drohsel) zeigen, solange es noch Handlungsspielräume gibt? Ein Generationenkonflikt entsteht doch schon durch die Ungerechtigkeit selbst und nicht erst durch die Diskussion darüber! Soll meine Generation die Folgen der Wirtschaftskrise verkraften, die Schulden abzahlen, die Rentner finanzieren und pflegen und bitte zusätzlich privat vorsorgen, weil für uns nichts mehr übrig bleibt? Die Rentengarantie und die Begründung vieler Politiker: »Die Rentner dürfen nicht verunsichert werden«, empfinde ich als Hohn, wenn ich sehe, wie viele meiner Kommilitonen keinen Arbeitsplatz bekommen.
STUTTGART DAMARIS STOCKLASSA
Frau Drohsel entlarvt sich allein mit der lapidaren Replik: »Wir sind dann schon 70.« Hauptsache, ich kriege auch noch! Wer in jungen Jahren schon so kurzsichtig denkt, wird niemals handeln. Auch Herr Spahn darf offenbar nicht weit genug gehen, weil auch er nicht sagt, was diese Generation wirklich denkt: Ein klarer Schlussstrich des Rentenirrsinns muss gemacht werden.
ROSENHEIM (BAYERN) ALEXANDER GÖRLICH
Frau Drohsel nimmt die Realität verzerrt wahr. Wenn der Rest der CDU sich so positionieren würde wie Herr Spahn, denn das stimmt zu 100 Prozent, wäre sie wählbar. So bleibt für mich als 46-jähriger Selbständiger nur die Möglichkeit, die Etablierten via Piratenpartei abzustrafen.
BERLIN CHRISTOPH HENSEL