Erkenntnis mit Millionenaufwand
Nr. 47/2000, E-Commerce: Online-Händler hoffen auf Weihnachten
Im Internet wird man in Zukunft Geld verdienen können mit frischer Information, also mit Datenpaketen, deren Inhalt aktuell sein soll oder sein muss. Frische Bratwürste hingegen kann man nicht übers Internet vermarkten. Und ein Parfum will man riechen, bevor man es kauft, einen Schuh anprobieren, ob er gut sitzt, und in einem Buch, dessen Inhalt nicht tagesaktuell sein muss, ein wenig blättern, ohne dass Online-Gebühren fällig werden. Das Internet ist oder wird in Zukunft das Medium des Informationszeitalters, und darin geht es nun mal um Information (sammeln, aufbereiten, weitergeben) und nicht um den Verkauf von Bratwürsten.
FREISING (BAYERN) ECKHARDT KIWITT
Der Handel kämpft zur Zeit an allen Fronten um Stabilisierung der Umsätze. Leider musste mit Millionenaufwand erkannt werden, dass die bloße Abbildung von Konsumartikeln auf einem Computerschirm nicht zwangsweise zu mehr Umsatz, geschweige denn mehr Gewinn führt. Der Spagat zwischen alter und neuer Ökonomie ist vielleicht gar nicht so groß, würde eine Synthese von intelligentem Gebäude, ansprechender Architektur und den Möglichkeiten und Chancen des Internet in den bundesdeutschen Einkaufsstraßen umgesetzt. Wenn Themenkaufhäuser wirklich ein Thema als Grundlage hätten, Verweilqualität nicht nur mit italienischem Bistro übersetzt würde und Stadtplaner wieder erkennen würden, dass in Innenstädten ohne Verkehr auch keine Kunden zu finden sind, würde der Handel wieder aufleben. Wenn im WWW dann auch noch Produkte informativ beworben würden, kommt der Kunde über das Web ins Geschäft. Und nicht umgekehrt.
DÜSSELDORF MARKUS WITKOWSKI