Fixe Idee
(Nr. 43/1994, Parteien: SPIEGEL-Gespräch mit Egon Bahr über die Bewältigung der DDR-Vergangenheit)
Ist er nun ein abgehalfterter Staatsmann, ein seniler Greis oder ein abgeschmackter Zyniker? Warum sollte die SPD mit der PDS fusionieren? Einer Partei, die sich in Nachfolge derjenigen sieht, die Tausende Menschen, auch Sozialdemokraten, hat füsilieren lassen. Wir bedauern, daß er nicht geschwiegen hat. *UNTERSCHRIFT: Kassel TOM GIESE Jusos Hessen-Nord
Schade, Egon Bahr. Ich hatte Dich immer für einen der letzten großen Sozialdemokraten gehalten. Aber daß Du uns weismachen willst, daß die Einstellung des Rassengesetz-Kommentators Globke ins Kanzleramt eine der großen staatsmännischen Leistungen Adenauers gewesen sei, ist entweder eine beginnende Altersverklärung oder der zur fixen Idee gewordene übermächtige Wunsch, sich _(* Mit dem Ständigen Vertreter der ) _(Bundesrepublik in der DDR, Klaus ) _(Bölling, im September 1981 in ) _(Ost-Berlin. ) mit allen und jedem zu versöhnen, um ein paar SED/PDS-Stimmen zu erhaschen. *UNTERSCHRIFT: Oberhausen KLAUS-W. SZESIK
Egon Bahr ist nichts anderes als ein kleiner Stimmenspekulant, Moralist ist er nie gewesen. *UNTERSCHRIFT: Graz PETER MEIER-BERGFELD
Die Behauptung Bahrs, die Umbrüche im Osten hätten wir ohne den Weg der Kommunisten zurück zur sozialdemokratischen Prägung nicht erlebt, ist menschenverachtend gegenüber den Hunderttausenden, die im Herbst 1989 in der damaligen DDR auf die Straße gegangen sind und so die Wende von unten herbeigeführt haben. *UNTERSCHRIFT: Kiel FRANK JUNG
Egon Bahr hat die Situation richtig erkannt. Ohne Willy Brandts Formel »Wandel durch Annäherung« hätten wir auch heute noch nicht die Einheit Deutschlands. Die dauernde Bevormundung der sozialdemokratischen Führung aus dem Westen schwächt die Sozialdemokraten im Osten und wird der PDS verstärkten Zulauf geben. *UNTERSCHRIFT: Würzburg KARL KIRCHNER
* Mit dem Ständigen Vertreter der Bundesrepublik in der DDR, KlausBölling, im September 1981 in Ost-Berlin.