Friedrich Merz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 120 / 125

Friedrich Merz

• aus DER SPIEGEL 49/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Friedrich Merz, 45, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, gab in einem Interview mit dem Berliner »Tagesspiegel« Einblick in seine wilde Jugend. Der adrette Inbegriff des schnittigen zahlenbewehrten Direktionsassistenten im feinen Zwirn gab früher, so um 1970, »einen anderen Friedrich Merz«. Damals, mit 14, im hochsauerländischen Brilon trug er »schulterlange Haare,« ist er »mit dem Motorrad durch die Stadt gerast«, sein »Stammplatz mit zwei Freunden war die Pommesbude auf dem Marktplatz«. Und natürlich hat das saubere Früchtchen dann auch »angefangen, zu rauchen und Bier zu trinken«, später kam »auch viel Schnaps« hinzu. Seine Popstars sind die Beatles, die Stones und die Doors. Er spielt »E-Gitarre« und das »ziemlich laut«. Dennoch, »links« war er nie: »Antiautoritär waren wir, massiv gegen Schule und Elternhaus.« Willy Brandt mochte er nicht: »Seine Art zu reden, diese langsame Sprache, war mir unsympathisch.« Dafür feiert er als »politische Großtat«, als »ein paar Freunde von mir« eine linke Kneipe »in Schutt und Asche legten«. Heute würde er das »nicht mehr akzeptieren«. Schließlich sei er im »Lauf der Jahre liberaler geworden«. Er besteht auf dem »Recht, mich verändern zu dürfen«. Folgerichtig will er in den nächsten Wahlkampf mit einem Song von Tom Jones gehen: »She's a lady«. Ein zwar lustiger, aber auch bescheidener Song, wie der »Tagesspiegel« meint. »Wieso bescheiden?«, fragt Merz erstaunt, als wäre seine Parteivorsitzende Angela Merkel gemeint: »Eine Lady drängt sich nie vor.«

Zur Ausgabe
Artikel 120 / 125

Mehr lesen über