GERANGEL - DER SPIEGEL
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Briefe

GERANGEL
• aus DER SPIEGEL 14/1969
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GERANGEL

(Nr. 11/1969, Bundesländer)

Als kommunalpolitisch interessierter Ludwigshafener glaube ich, genügend Lokalkenntnis, nach mehrjähriger Abwesenheit aber auch genügend Abstand zu haben, um das Verhalten der Gegenspieler Dr. Ludwig und Dr. Kohl beurteilen zu können. Entgegen Ihrer Meinung, ist deren Gerangel kein Gaudi: die Bürger wenden sich angeekelt von dieser Art Kommunalpolitik ab; die Verwaltung leidet darunter, daß die CDU grundsätzlich jeden Plan bekämpft, der vom Oberbürgermeister vertreten wird. Dabei hat die SPD seit Kriegsende die Fairneß besessen, trotz absoluter Mehrheit einen Beigeordneten der CDU zu überlassen. Zwar mag man deren Verbitterung verstehen, weil ihr »Sturm aufs rote Rathaus« von den Ludwigshafener Wählern immer wieder abgeschlagen wurde. Ihre Zitate beweisen aber im übrigen, daß Herr Dr. Kohl voll Vorurteilen und Komplexen steckt. Leider zwingen er und seine Fraktion diesen Stil und dieses Niveau dem Stadtrat auf. Zeitungsberichte über dessen Sitzungen sind häufig abstoßend: Sachfragen spielen eine untergeordnete Rolle, da der Opposition jedes Mittel recht ist, der Mehrheit Schwierigkeiten zu machen. Welcher Schaden dadurch dem Gedanken der kommunalen Selbstverwaltung zugefügt wird und welche Verbitterung bei der Verwaltung entstehen muß, kümmert die Urheber wenig.

Wird der Hauptverantwortliche für die von Ihnen geschilderten Zustände wirklich Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, so spricht dies nicht für ihn, sondern gegen die CDU, wo rücksichtsloser Ehrgeiz offenbar nach wie vor genügt, neue »Straußeneier« auszubrüten.

St. Germain-en-Laye (Frankreich)

WOLFGANG SEUBERT

* Vorsitzender der rheinland-pfälzischen CDU und Oppositionsführer Im Ludwigshafener Stadtrat, designierter Nachfolger des Ministerpräsidenten Altmeier.

** SPD-Oberbürgermeister von Ludwigshafen und Führer der pfälzischen SPD.

Das Bild, das Sie von Dr. Kohl zeichnen, ist sehr stark verzerrt. Dr. Kohl erscheint hier als Rüpel, wohingegen Dr. Ludwig sein bedauernswertes Opfer ist. Sie führen hier Kohl-Zitate an, die das ungehobelte und schreckliche Benehmen Kohls zeigen sollen. Sowohl Dr. Kohl als auch Dr. Ludwig sind Pfälzer. Zitate Kohlscher Art sind für einen echten Pfälzer weder etwas Außergewöhnliches noch Aufsehenerregendes. Nur wenn man einem bös will, wie die Ludwigshafener SPD Dr. Kohl, nur dann scheut man nicht davor zurück, genüßlich in aller Öffentlichkeit diesen Aussprüchen von Dr. Kohl eine Bedeutung beizumessen, als wenn es sich dabei um gewichtige politische Aussagen handeln würde. Im übrigen ist Dr. Kohl doch wohl Dr. Ludwig in geistiger Hinsicht zumindest ebenbürtig, wenn nicht sogar -- entsprechend der körperlichen Größendifferenz -- überlegen.

Ludwigshafen (Rhld.-Pf.) JOSEF KELLER

Welch Glück für Ludwigshafen, daß Dr. Kohl seinen Kohl nicht als Stadtvater loswerden kann. Möge er als Landesfürst nach CDU-Manier barzeln, bis seine Anhänger ihn so kennen, wie ihn offenbar die Ludwigshafener Bevölkerung schon lange eingeschätzt hat.

Bühlertal (Rhld.-Pf.) GÜNTHER BURK

Vielleicht arbeitet jetzt Frau Pappritz einen Knigge-Benimm für Ministerpräsidenten und solche, die es werden wollen, aus?

Ludwigshafen HEINRICH KISSEL

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