AFGHANISTAN Gezielte Schläge
Kabuls Herrscher, die radikal-islamischen Taliban, exportieren ihre Revolution. Sie unterstützen muslimische Rebellen, die seit über einem Monat in schwere Kämpfe mit Regierungstruppen in den zentralasiatischen Republiken Kirgisien und Usbekistan verwickelt sind und durch die sich sogar Russland bedroht fühlt. Sollte eine Gefahr für die nationale Sicherheit entstehen, so drohte Sergej Jastrschemski, ein Sprecher von Präsident Putin, sei die russische Luftwaffe jederzeit bereit, »gezielte Militärschläge durchzuführen«. Die Guerrilleros der Islamischen Bewegung Usbekistans streben die Gründung eines fundamentalistischen Gottesstaates im Dreiländereck von Tadschikistan, Kirgisien und Usbekistan an. Derweil mussten in Afghanistan auch die von Moskau unterstützten Kämpfer gegen die Taliban eine schwere Niederlage hinnehmen: Vorigen Mittwoch überließ die Nordallianz unter Ahmed Schah Massud den Taliban die nordafghanische Stadt Taloqan, ihren militärischen Hauptversorgungspunkt. Nun befürchtet Moskau ein schnelles Vordringen der afghanischen Revolution nach Zentralasien, dem Vorhof Russlands. Derzeit sind die Taliban-Truppen, die inzwischen über 90 Prozent des Hindukusch-Staates kontrollieren, bis dicht an die tadschikische Grenze vorgerückt, die seit Jahren auch von russischen Truppen bewacht wird. Trotzdem ängstigt sich die Moskauer Tageszeitung »Iswestija«, dass die Taliban schon demnächst »in jedes russische Haus kommen« könnten.