IDEENGESCHICHTE
Wenn die Hamburger CDU aus der Flughafenerweiterung für ihre Wahlpropaganda einen - wie Sie schreiben - »rettenden Strohhalm« machen will, werden ihr dabei einige Tatsachen im Wege stehen, die der SPIEGEL allerdings nicht gebracht hat:
1957 erklärte der Hamburg-Block-Senat in einer Denkschrift, gegenüber einem Neubau an anderer Stelle sei »der Ausbau des Flughafens Fuhlsbüttel als günstigste Lösung anzusehen«. Unterschrift: Sieveking, damals Erster Bürgermeister, heute CDU-Fraktionsvorsitzender. Der
SPD/FDP-Senat übernahm den Ausbau -Vorschlag des CDU-geführten Senats. Statt drei wurden jedoch nur zwei Startbahnen vorgesehen, um nicht noch weitere Bevölkerungskreise in die Lärmzone einzubeziehen. Die CDU-Fraktion hat übrigens 1959 bei der Beschlußfassung nicht gegen den Ausbau von Fuhlsbüttel gestimmt. Die Idee einiger nicht dem Hamburger Parlament angehörenden CDU-Politiker, einen neuen Flugplatz irgendwo außerhalb Hamburgs zu bauen, hielt so wenig sachlichen Prüfungen stand, daß die Ideenverkäufer selbst ihre Angaben über den von ihnen vorgesehenen Standort mehrfach ändern mußten. Die Nachbarländer Hamburgs haben bisher auf einen solchen gemeinsamen Flughafen und eine finanzielle Beteiligung verzichtet. Als ausreichende Länge der Startbahnen für interkontinentalen Verkehr sind nicht 3600 Meter, sondern im allgemeiner nach amerikanischen Normen
3300 Meter anzusehen. Dem entspricht etwa die ganz auf Hamburger Gebiet liegende Startbahn I im Endausbau. Jeder Verkehrsflughafen muß sich heute auf Düsenmaschinen einstellen, weil auch im Mittelstreckenverkehr immer mehr strahlgetriebene Flugzeuge eingesetzt werden.
Ich habe nicht die Front gewechselt: Von Anfang an habe ich öffentlich erklärt, daß der Ausbau Fuhlsbüttels nur auf den Bedarf eines heute überschaubaren Zeitraums abgestellt ist. Die von Ihnen genannte Arbeitsgruppe soll Aufgaben für die Zeit danach bearbeiten - wenn Überschallmaschinen im Überseeverkehr eingesetzt werden und dafür vielleicht nur ein einziger Flughafen in der Bundesrepublik oder in ganz Nordwesteuropa benötigt wird.
Hamburg EDGAR ENGELHARD
Bürgermeister
Engelhard