Im Stile Hitlers - DER SPIEGEL
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SCHAH-MEMOIREN Im Stile Hitlers

• aus DER SPIEGEL 12/1961
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Artiger Beifall klang im Bankettsaal des kaiserlichen Golestan-Palastes zu Teheran auf, als der hochgewachsene Mann in gold- und silberfunkelnder Marschallsuniform das Glas zum Toast auf die Gäste erhob. Festredner Mohammed Resa Pahlewi, König der Könige im Lande des Pfauenthrons, war soeben beim obligaten Trinkspruch auf Englands Globetrotter-Königin Elizabeth II. und deren Gemahl Philip angelangt.

Schmeichelte der Schah: »Ihre Gegenwart möge das krönende Ereignis bei der Stärkung gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens sein. Niemals zuvor war zur Aufrechterhaltung des Friedens Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern notwendiger als heute.«

Die Protokollbeamten des Schahs hatten dafür gesorgt, daß der Trinkspruch ihres kaiserlichen Herrn diesmal betont herzlich ausfiel. Denn er sollte eine Affäre beenden, die manchem Engländer die antibritische Gefühlswelt des Teheraner Gastgebers offenbart hatte.

Mitte Februar waren in London die inzwischen auch in Deutsch vorliegenden Memoiren* Mohammed Resa Pahlewis erschienen, in denen der Schah ein Ereignis behandelt, dem er zwar seinen Thron verdankt, das jedoch gleichzeitig das britisch-persische Verhältnis schwer belastet: den Sturz seines Vaters, des Dynastie-Gründers Resa Pahlewi, im Hochsommer 1941.

Damals besetzten britische und sowjetische Truppen unter dem Vorwand, der Iran betreibe eine neutralitätswidrige Politik und dulde deutsche Agenten auf seinem Territorium, das Land und zwangen den alten Schah zum Rücktritt. Mit diesem Manöver sicherten sich die Alliierten wichtige Nachschubstraßen für die hart bedrängten Sowjetarmeen.

Der kaiserliche Memoirenschreiber aber wirft den Alliierten vor, »daß sie, statt sich entweder mit Resa Schah oder seinem Sohn ins Einvernehmen zu setzen, im Stile Hitlers in unser Land eindrangen und damit eines der Hauptprinzipien verletzten, um deretwillen sie überhaupt Krieg führten«.

Den Alliierten sei es nur um den Rußland-Nachschub gegangen, nicht aber um den angeblich übermächtigen Einfluß Hitler-Deutschlands. Berichtet

Die Protokollbeamten des Schahs hatten dafür gesorgt, daß der Trinkspruch ihres kaiserlichen Herrn diesmal betont herzlich ausfiel. Denn er sollte eine Affäre beenden, die manchem Engländer die antibritische Gefühlswelt des Teheraner Gastgebers offenbart hatte.

Mitte Februar waren in London die inzwischen auch in Deutsch vorliegenden Memoiren* Mohammed Resa Pahlewis erschienen, in denen der Schah ein Ereignis behandelt, dem er zwar seinen Thron verdankt, das jedoch gleichzeitig das britisch-persische Verhältnis schwer belastet: den Sturz seines Vaters, des Dynastie-Gründers Resa Pahlewi, im Hochsommer 1941.

Damals besetzten britische und sowjetische Truppen unter dem Vorwand, der Iran betreibe eine neutralitätswidrige Politik und dulde deutsche Agenten auf seinem Territorium, das Land und zwangen den alten Schah zum Rücktritt. Mit diesem Manöver sicherten sich die Alliierten wichtige Nachschubstraßen für die hart bedrängten Sowjetarmeen.

Der kaiserliche Memoirenschreiber aber wirft den Alliierten vor, »daß sie, statt sich entweder mit Resa Schah oder seinem Sohn ins Einvernehmen zu setzen, im Stile Hitlers in unser Land eindrangen und damit eines der Hauptprinzipien verletzten, um deretwillen sie überhaupt Krieg führten«.

Den Alliierten sei es nur um den Rußland-Nachschub gegangen, nicht aber um den angeblich übermächtigen Einfluß Hitler-Deutschlands. Berichtet

der Schah: »Kürzlich habe ich in meinem Archiv die damaligen Protestnoten der Alliierten an meinen Vater noch einmal nachgelesen, und ich muß sagen, daß sie in ihrer Fadenscheinigkeit geradezu kindlich wirkten.«

Zwar räumt er ein, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Dritten Reich sei nicht ungefährlich gewesen; gleichwohl: »Deutschland hatte sich bisher keiner imperialistischen Bestrebungen bei uns verdächtig gemacht und sich nur selten in unsere internen Angelegenheiten gemischt; außerdem war es ein Gegner Englands und Rußlands, die uns so lange drangsaliert hatten.«

Vater Resa sei denn auch zurückgetreten, »weil er es mit seiner Würde als Souverän für unvereinbar hielt, mitansehen zu müssen, wie Fremde in sein Land eindrangen und sich in seine Angelegenheiten einmischten«. Auch er selber, Mohammed Resa, habe sich gegen die britischen Eindringlinge wehren müssen, die das Land ausgeplündert, unzufriedene Stämme gegen den Schah aufgehetzt und Politiker gekauft hätten.

Erinnert sich der Schah: »Später im gleichen Jahr (1943) kam es unter der Bevölkerung von Teheran zu Unruhen. Die Briten führten ihre Truppen in die Hauptstadt zurück, offenbar, um das Chaos noch zu vergrößern, das Parlament einzuschüchtern und den britischen Forderungen gefügig zu machen.«

Die Attacke des Schahs provozierte den britischen Diplomaten Sir Reader Bullard, der im Kriege Botschafter in Teheran gewesen war, zu einer heftigen Replik in der Londoner »Times«. Sir Reader wetterte, »falsche Informationen oder vielleicht ein fehlerhaftes Gedächtnis« hätten den Schah veranlaßt, England illegaler Einmischungen in die iranische Innenpolitik zu beschuldigen.

England habe keineswegs - so der britische Exbotschafter - den alten Schah zum Thronverzicht gezwungen,

»wenn auch sein Rücktritt die Briten von einer schweren Bürde befreite, denn die Briten wurden von den Persern bereits heftig kritisiert, weil sie an einem Herrscher festhielten, der Gegenstand fast allgemeinen Abscheus seines Volkes war«.

Eine derartige Abwertung des Thronvaters ließ wiederum den iranischen Botschafter in London, Ghods-Nakhai, nicht ruhen; er schimpfte alsbald in der »Times« über Bullards »betrügerische und ungerechte Erklärung gegen einen Nationalhelden, der von seinem ganzen Volke geliebt, und angebetet wurde, außer von den Handlangern ausländischer Agenten«.

Der Iraner reagierte derart leidenschaftlich, daß Sir Reader einstweilen die Waffen streckte. Am 2. März, dem Tage, an dem der Schah Königin Elizabeth einen festlichen Empfang bereitete, druckte die »Times«- einen weiteren Brief Bullards ab, der von Sir Readers diplomatischem Takt zeugte.

»Ich hatte an sich eine detaillierte Antwort (an den iranischen Botschafter) vorbereitet«, schrieb Sir Reader ebenso vorsichtig wie maliziös, »aber da ich Ihren Spalten entnehme, daß in Persien ein harter politischer Kampf tobt, ziehe ich es vor, die öffentliche Kontroverse zu verschieben.«

* Mohammed Resa Pahlewi: »Im Dienst meines Landes«. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 1961; 339 Seiten; 19,80 Mark.

Deutschen-Freund Resa (1926)

Von Briten drangsaliert?

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